3.3.1.2 Kriterien zu Subprozess der Kanalisierung

Der Subprozess der subliminalen Kanalisierung wirkt sich zweifach aus. Einerseits werden bestimmte Reizereignisse, die zwar nicht zum bekannten Erfahrungshorizont eines Menschen gehören, sich in ihrer sinnlich erfahrbaren ästhetischen Verfasstheit aber in das Bekannte eingliedern lassen, manchmal bereits auf subliminaler Ebene ausgefiltert und gelangen nicht in das Bewusstsein. Diese Vorauswahl entlastet das Bewusstsein und kann als ein Schutz oder als Konzentrationshilfe fungieren, erschwert aber auch das Lernen von Neuem. Andererseits werden durch die Kanalisierung diejenigen Reizangebote ignoriert, die nicht mit dem gegenwärtig verfolgten Motivationsziel in Zusammenhang zu bringen sind. Wer Hunger hat, sich innerlich traurig fühlt oder gerade bemüht ist, eine Abkürzung für die Verkehrsumleitung zu finden, lässt sich nicht so leicht durch andere Reizangebote ablenken. Um die Motivation bezüglich langfristig erreichbarer Ziele aufrechzuhalten ist immer wieder bewusste Reflexion und Konzentration nötig, denn die wechselhafte, situationsbezogene subliminale Kanalisierung kann auf ein bewusst eingeschlagenes Tätigkeitsziel hin rasch ablenkend auswirken. Der Einfluß des subliminalen Subprozesses der Kanalisierung auf die Erfahrung kann im Bezug auf die somatische Tendenz durch das Kriterium der Bedürfnisgerechtheit, hinsichtlich der introvertierten Tendenz mittels dem Kriterium der Befindlichkeit und in Relation zur explorativen Tendenz mit dem Kriterium des Angeregtheit untersucht werden.

:: Mehr zum Thema ::

  • Zum Kriterium der »Bedürfnisgerechtheit« bezüglich der somatischen TendenzEin Bedürfnis der somatische Tendenz macht sich durch ein Gefühl von nervöser Anspannung, die sich auf einen bestimmten Bereich des Körperschemas richtet, bemerkbar. Die grobe Richtung eines Bedürfnisses wie Hunger, Durst, Sehnsucht nach Streicheleinheiten, Bewegungsdrang usw. bringt sich recht eindeutig ins Bewusstsein Schwieriger ist die spezielle Bestimmung, wodurch der Hunger gestillt werden kann, wie der Bewegungsdrang auszuleben ist. Wird kein der Anspannung und dem Bedürfnis entsprechendes Verhalten eingeleitet, fordert der Körper durch Stressreaktionen die Aufmerksamkeit. Es ist daher wichtig zu lernen, das eigene Körperschema ständig zu aktualisieren und die Signale des Körpers richtig zu interpretieren. Vielen Menschen kommt dieses Gespür…
    Tags: tendenz, um, kriterium, menschen, lernen, hunger, bedürfnisgerechtheit, somatische, ihrer, denn
  • Zum Kriterium der »Befindlichkeit« bezüglich der introvertierten TendenzHinsichtlich der introvertierten Tendenz stellt die Befindlichkeit oder die Stimmung den Selektionsfilter für die Kanalisierung dar. In einer fröhlichen Stimmung werden negative Reize ausgeblendet und umgekehrt. Der Filter der jeweiligen Befindlichkeit färbt die gesamte Wirklichkeitserfahrung ein. Da Befindlichkeiten schwanken und instabil sind, erhält die nach Integrität und Gefasstheit strebende introvertierte Tendenz ständig verändernde Impulse, die intern austariert werden müssen. Vielen Menschen fällt es schwer, negative Befindlichkeiten zuzulassen oder positive Stimmungen auch im Wissen um ihre Kurzfristigkeit zu genießen, weil sie im Sozialisationsprozess dazu angehalten wurden, ihre wechselnde Befindlichkeit zugunsten der Präsentation eines stabilen Charakters zurückzustellen. Gerade in der inneren Hingabe…
    Tags: befindlichkeit, tendenz, introvertierten, diese, um, subliminale
  • Zum Kriterium der »Angeregtheit« bezüglich der explorativen TendenzVon der explorativen Tendenz motiviert strebt der Verhaltensfluss relativ unbestimmt irgendwelchen Reizangeboten zu. Auch hierdurch entsteht eine verengende Kanalisierung. Diese ist nicht durch das somatische Kriterium der Bedürfnisgerechtheit oder das introvertierte Kriterium der Befindlichkeit vorgegeben, sondern formt sich durch zufällig vorgefundene und im Verhalten verknüpfte Reize der externen Welt nach dem explorativen Kriterium der Angeregtheit. Insbesondere für Kinder ergeben sich aus diesem Effekt weitreichende Konsequenzen für ihr Wirklichkeitsverständnis. Ansätze zur explorativen Tendenz bei Kindern zu ermuntern, sie mit allzu vielfältigen Angeboten in Kontakt zu bringen, kann zu einem konfusen Verhältnis zur Wirklichkeit führen, denn diese ist durch die einseitige Förderung…
    Tags: kriterium, explorativen, tendenz, angeregtheit, denn, diese, kanalisierung, lernen, reizangebote, hin