{"id":800,"date":"2020-12-28T14:58:00","date_gmt":"2020-12-28T13:58:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vrabek.de\/design\/?p=800"},"modified":"2020-12-29T14:00:59","modified_gmt":"2020-12-29T13:00:59","slug":"zum-hauptkriterium-der-lebendigen-anmutung-bezueglich-der-empathiven-qualitaet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vrabek.de\/design\/2020\/12\/28\/zum-hauptkriterium-der-lebendigen-anmutung-bezueglich-der-empathiven-qualitaet\/","title":{"rendered":"Interaktion > Zum Hauptkriterium der \u00bblebendigen Anmutung\u00ab bez\u00fcglich der empathiven Qualit\u00e4t"},"content":{"rendered":"<p><svg xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" style=\"margin:0 8px -8px 0; float: left\" width=\"180px\" height=\"90px\"><image xlink:href=\"http:\/\/www.vrabek.de\/design\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/i2_evokativ.svg\" src=\"\" width=\"180px\" height=\"90px\" alt=\"evokative Aktualit&auml;t\"  \/><\/svg> Zum Gef\u00fchl, in einer Umgebung zu Hause zu sein, geh\u00f6rt die sinnliche Erfahrung von Anmutungsqualit\u00e4ten, die eine Beziehung von N\u00e4he und Lebendigkeit zu diesem Umfeld vermitteln. In einer v\u00f6llig reizarmen Umgebung f\u00fchlen Menschen sich auf Dauer nicht wohl, da ihre sinnliche Aktivit\u00e4t keine Angebote findet und keine positive atmosph\u00e4rische Stimmung zu der Umgebung aufbauen kann. Sogar das Rauschen einer Klimaanlage kann das Gef\u00fchl einer lebendigen Anmutung vermitteln wie sich an einem konkreten Fall zeigen l\u00e4sst (<a href=\"\/design\/literaturverzeichnis\/\">vgl. Bedrohliche Stille, in: Der Spiegel, 10\/97, S. 227<\/a>). Eine Gro\u00dfbank hatte ihre Klimaanlage erneuern lassen und die Besch\u00e4ftigten litten unter der ungewohnten Stille. Deshalb wurden nachtr\u00e4glich Lautsprecher angebracht, die mit einem speziellen Sound-Design gespeist werden, das in Form unterschiedlicher Maskierungsger\u00e4usche einzelne Arbeitsinseln erzeugt.<\/p>\n<p>Zu den Gestaltungsmitteln, durch die das Entstehen eines Gef\u00fchls von lebendiger Anmutung beg\u00fcnstigt werden kann, gibt es viele Untersuchungen, die sich auf die Anthropologie oder auch die Anthroposophie berufen (<a href=\"\/design\/literaturverzeichnis\/\">vgl. z. B. Schneider, 1995<\/a>) und um die Aufstellung allgemeing\u00fcltiger Regeln hinsichtlich dem \u00e4sthetischen Empfinden bem\u00fcht sind. Beispielsweise stehen r\u00f6tliche Farbt\u00f6ne eher f\u00fcr ein Gef\u00fchl von W\u00e4rme oder N\u00e4he und blaue Farben eher f\u00fcr ein Gef\u00fchl von K\u00fchle oder Ferne. Gerade das Farbempfinden ist aber in hohem Ma\u00dfe neben den gattungsspezifischen physiologischen und den psychologischen Bedingungen sehr stark von den Einfl\u00fcssen des Lebenskontextes gepr\u00e4gt (<a href=\"\/design\/literaturverzeichnis\/\">vgl. Heller, 1989<\/a>).<\/p>\n<p>Aussagen zum Gef\u00fchl der lebendigen Anmutung von Gegenst\u00e4nden bis zur gesamten Lebensumwelt sind nicht pauschal festlegbar und wie Faktenwissen weiterzugeben oder als Vorratswissen f\u00fcr eine sp\u00e4ter m\u00f6glicherweise eintretenden Situation zu erlernen. Vielmehr sind die hinter den Aussagen stehenden Kriterien zu erfassen und je nach der Problemstellung des Projekts neu mit Leben zu f\u00fcllen. Wenn \u00fcber die Umsetzung erlernten, scheinbar verl\u00e4sslichen Faktenwissens, hinausgehend nicht auch auf die spezielle Situation angepasste Gef\u00fchle aus- und angesprochen werden, wirken Designentw\u00fcrfe irgendwie leblos. Doch in Hinsicht auf das Verhalten in der gegenst\u00e4ndlichen Umwelt spielt das Gef\u00fchl als Motivation f\u00fcr \u00e4sthetische Erfahrung eine gro\u00dfe Rolle. Je gr\u00f6\u00dfer der Anteil von gesichtslos und steril wirkenden Objekten, die der Suche nach Gef\u00fchlen keine Resonanz bieten, in der menschlichen Lebensumgebung wird, desto verlorener und haltloser f\u00fchlen sich viele Menschen. Besonders fatal wirkt sich hier die Ansicht vieler Planer und Gestalter aus, gef\u00fchlvolles Design sei zwar im privaten, jedoch nicht im \u00f6ffentlichen Raum angebracht. Die evokative Aktualit\u00e4t k\u00f6nnte demgegen\u00fcber durch entsprechende Gestaltung das Gef\u00fchl von lebendiger Anmutung wecken und zur aktiven Mitwirkung zur Erhaltung einer lebenswerten Welt einladen.<\/p>\n<h2>Beispiel f\u00fcr die evokative Aktualit\u00e4t von Design<\/h2>\n<p>Weil viele Menschen bez\u00fcglich ihrer \u00f6ffentlichen, allt\u00e4glichen Lebensumgebung nur wenige Gef\u00fchle von lebendiger Anmutung entwickeln k\u00f6nnen, verlieren sie das Interesse an dieser \u00bbkalten Welt\u00ab. Um durch die gef\u00fchlsorientierte \u00e4sthetische Erfahrung den gegenwartsbezogenen Kontakt zum Lebenskontext zu erhalten, ist es besser, zum Beispiel in sozialen Einrichtungen Zonen zu schaffen, die mangels M\u00f6glichkeit der gemeinsamen Abstimmung zun\u00e4chst irgendeine Form von lebendiger Anmutung ansprechen, als dem vermuteten kleinsten gemeinsamen Nenner entsprechend ein unauff\u00e4lliges Reizniveau zu erzeugen.<\/p>\n<p>Menschen engagieren sich f\u00fcr die Pflege und Mitgestaltung der Qualit\u00e4t ihres Lebenskontextes, sei dieser privat oder \u00f6ffentlich wie ein Park, eine Wohnstra\u00dfe, ein Gruppenraum usw. sicher intensiver, wenn sie das Gef\u00fchl der lebendigen Anmutung und der innerlichen N\u00e4he zu den Gegenst\u00e4nden und ihrem Lebensumfeld einmal bewusst erfahren haben. Deshalb sollten Designer besonderes Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Vielfalt von angenehm und lebendig empfundenen Anmutungen bez\u00fcglich des Lebensumfelds und Sensibilit\u00e4t f\u00fcr deren Ausdruck durch unterschiedlichste Gestaltungsmittel entwickeln und gestalterische Freir\u00e4ume f\u00fcr Eigeninitiativen anbieten. Wie gro\u00df das Interesse an markant gestalteten Erlebnisr\u00e4umen ist, zeigt mangels vergleichbarer qualitativ besserer Angebote in der Region, der Erfolg des Einkaufszentrums Centro, der nach Auswertung erster Bilanzen weniger im guten Absatz, als vielmehr an dem Interesse der Besucher liegt, sich in einem lebendig wirkenden, freundlichen Ambiente aufzuhalten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zum Gef\u00fchl, in einer Umgebung zu Hause zu sein, geh\u00f6rt die sinnliche Erfahrung von Anmutungsqualit\u00e4ten, die eine Beziehung von N\u00e4he und Lebendigkeit zu diesem Umfeld vermitteln. 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