{"id":402,"date":"2015-12-16T18:31:26","date_gmt":"2015-12-16T17:31:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vrabek.de\/design\/?page_id=402"},"modified":"2018-05-05T17:41:47","modified_gmt":"2018-05-05T15:41:47","slug":"6-1-3-kausalitaet-nach-oben-durch-den-hauptprozess-der-modulation","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.vrabek.de\/design\/6-antizipierendes\/6-1-modell-zur-organisationsdynamik-der-antizipierenden-komponente\/6-1-3-kausalitaet-nach-oben-durch-den-hauptprozess-der-modulation\/","title":{"rendered":"6.1.3 Kausalit\u00e4t nach oben durch den Hauptprozess der Modulation"},"content":{"rendered":"<p>Der Einfluss der antizipierenden Komponente auf die gesamte \u00e4sthetische Erfahrungskreation l\u00e4sst sich mit dem Hauptprozess der Modulation kennzeichnen. Modulation meint in diesem Kontext im Unterschied zum Begriff der Revolution als umw\u00e4lzender, radikaler Ver\u00e4nderung der Lebensumst\u00e4nde eine gem\u00e4\u00dfigte, sanfte und doch aktiv betriebene Ver\u00e4nderung. Diese ist des weiteren in Differenz zum Begriff der Evolution nicht mit einem linearen Fortschrittsgedanken verbunden. Denn wie die Untersuchungen zur Verwirklichbarkeit als Charakteristikum der antizipierenden Komponente ergaben, ist nach dem heutigen Wissensstand die gezielte, umfassende Neuplanung der Zukunft als unm\u00f6glich zu akzeptieren.<\/p>\n<p>F\u00fcr Design als Disziplin folgt daraus, bescheidenere aber umsetzbare Ziele anzustreben. Doch nicht nur die Idee der Planbarkeit, die im Design eine gro\u00dfe Rolle spielt (vgl. Winter, 1972, 1972) ist aufzugeben. Die Idee, durch Design wesenhafte Ordnungen erzeugen oder auf diese zur\u00fcckkommen zu k\u00f6nnen muss ebenso revidiert werden. Genauso wenig, wie sich die Vielfalt individueller wie soziokultureller Wirklichkeitskonstruktionen auf eine vorgegebene Ordnung als gemeinsamer Wurzel alles Werdens zur\u00fcckf\u00fchren l\u00e4sst, ist die Unterschiedlichkeit der Lebensprobleme durch die Implementierung einer neuen, umfassenden, optimalen Ordnung zu bew\u00e4ltigen. Die Hoffnung, durch Erkenntnis endlich auf die eine Ordnung zu sto\u00dfen, die alle Probleme l\u00f6st, l\u00e4uft genauso ins Leere wie die Hoffnung, durch Design diese Ordnung optimieren und neu installieren zu k\u00f6nnen. Eine solch aussichtslose Hoffnung f\u00fchrt irgendwann zum Scheitern desjenigen, der ihr anh\u00e4ngt. Diese Erfahrung machen viele engagierte Designer, die ihren Beruf w\u00e4hlten, um die Welt positiv zu ver\u00e4ndern. Wahrscheinlich nimmt gerade in der pers\u00f6nlichen \u00e4sthetischen Erfahrung von Designern die antizipierende Komponente gro\u00dfen Raum ein, denn das Begeisternde an diesem Beruf liegt darin, durch Entw\u00fcrfe eine zuk\u00fcnftige Wirklichkeit darzustellen, die es in dieser Form noch nicht gibt. Ein gro\u00dfer Teil der positiven Energie wird durch den Anspruch an Gro\u00dfem teilhaben zu wollen vergeudet und geht dadurch der Mitwirkung an verwirklichbaren, verbessernden Modulationen im Kleinen verloren.<\/p>\n<p>In seiner Einf\u00fchrung in die pragmatische Philosophie bezieht sich Rorty auf Dewey, um eine in die Zukunft weisende, positive der in eine Sackgasse f\u00fchrenden und damit negativen Richtung von Hoffnung entgegenzustellen:<\/p>\n<p>\u00bbDenn eine solche Ordnung k\u00f6nnte es nur geben, wenn alle k\u00fcnftigen Alternativen jetzt schon vorhanden w\u00e4ren. Die Hoffnung auf ihr wirkliches Vorhandensein ist eben die falsche Hoffnung der klassischen Philosophie Europas, von der Dewey spricht. Es ist die Hoffnung, man k\u00f6nne hinter dem verg\u00e4nglichen Inhalt eine zeitlose Struktur ersp\u00e4hen und dadurch die Grenzen des M\u00f6glichen ausmachen: des m\u00f6glichen Forschens, des m\u00f6glichen Erkennens und der m\u00f6glichen Formen menschlichen Lebens. Dies ist die Hoffnung, von der Dewey hoffte, dass wir Amerikaner sie aufgeben w\u00fcrden. Er dr\u00e4ngte darauf, dass wir sie um einer besseren Hoffnung willen fallenlassen, n\u00e4mlich der Hoffnung auf die F\u00e4higkeit, eine neue Welt zu schaffen, in der unsere Nachkommen leben k\u00f6nnen, eine Welt mit mehr Vielfalt und Freiheit, als wir uns zur Zeit ausmalen k\u00f6nnen. Die Einzelheiten dieser in h\u00f6herem Ma\u00dfe erwachsenen und entwickelten menschlichen Welt k\u00f6nnen wir uns ebenso wenig vorstellen, wie unsere Vorfahren in der Bronzezeit imstande waren, sich von den Einzelheiten unserer heutigen Welt einen Begriff zu machen.\u00ab (Rorty, 1994, S. 36)<\/p>\n<p>In diesem Sinne h\u00e4lt der Hauptprozess der antizipierenden Komponente die Zukunft offen, ohne die Entwicklung dem Zufall zu \u00fcberlassen oder in eine lineare Bahn zu pressen. Seine Wirksamkeit liegt vielmehr in einf\u00fchlsamer, bescheidener nicht machthungriger Einflussnahme auf den Gesamtprozess der Erfahrungskreation als deren verbessernde, an vielf\u00e4ltige Wirklichkeitskonstruktionen anpassbare Modulation.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Einfluss der antizipierenden Komponente auf die gesamte \u00e4sthetische Erfahrungskreation l\u00e4sst sich mit dem Hauptprozess der Modulation kennzeichnen. 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