{"id":349,"date":"2015-12-16T15:33:01","date_gmt":"2015-12-16T14:33:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vrabek.de\/design\/?page_id=349"},"modified":"2020-12-29T14:49:45","modified_gmt":"2020-12-29T13:49:45","slug":"4-1-modell-zur-organisationsdynamik-der-sozialen-komponente","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.vrabek.de\/design\/4-soziales\/4-1-modell-zur-organisationsdynamik-der-sozialen-komponente\/","title":{"rendered":"4.1 Modell zur Organisationsdynamik der sozialen Komponente"},"content":{"rendered":"<p>Ankn\u00fcpfend an Luhmanns Theoriemodell (<a href=\"\/design\/literaturverzeichnis\/\">vgl. Luhmann, 1984<\/a>) ist davon auszugehen, dass soziale Systeme durch Kommunikation entstehen und sich nicht etwa aus Individuen zusammensetzen. Zu dieser Annahme geh\u00f6rt die Trennung zwischen Bewusstsein und Kommunikation, die in dem vorliegenden Untersuchungszusammenhang als verschiedene Dimensionen des Selbstkonzepts, der Ausrichtung auf Selbstreflexion oder Kommunikation, analysiert werden. Die Individuen k\u00f6nnen sich als soziale Akteure nur durch ihre Mitwirkung an der Kommunikation aktiv an dem Erhalt, der Entstehung oder Ver\u00e4nderung sozialer Systeme beteiligen. Ob und wie weitgehend sich Individuen f\u00fcr soziale Systeme engagieren, h\u00e4ngt ma\u00dfgebend von der pers\u00f6nlichen Wahrnehmung der kommunikativen Dimension und deren Einfluss auf die \u00e4sthetische Erfahrung ab. Das im folgenden zu entwickelnde Modell f\u00fcr die Organisationsdynamik der sozialen Komponente bez\u00fcglich der Erfahrung (vgl. Abbildung 8) ist daher darauf angelegt, die Wahrnehmung der sozialen Dimension von Erfahrung detailliert analysieren zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Elementare Grundlagen f\u00fcr das Entstehen sozialer Organisationen erwachsen aus dem biologisch determinierte Zusammenleben von Menschen wie der Angewiesenheit des Neugeborenen auf Schutz und Nahrungsversorgung. Von der biologischen Notwendigkeit des sozialen Miteinanders, ist jedoch nicht auf eine sozusagen nat\u00fcrlich sich ergebende soziale Beziehungsform wie beispielsweise der zweckvoll deterministischen Struktur eines Bienenstaats zu schlie\u00dfen. Wie ethnologische Forschungen belegen, l\u00e4sst sich keine universale Entwicklungslogik f\u00fcr das soziale Leben feststellen. Vielmehr sind verschiedene Varianten oder differenzierte Ausformungen des sozialen Miteinanders unterschiedlicher V\u00f6lker in Gegenwart und Historie beobachtbar. Das im folgenden zu entwickelnde Modell soll daher keine detaillierte Darstellung der m\u00f6glichen sozialen Beziehungsformen bieten. F\u00fcr eine solche Detailanalyse w\u00e4re eine starke Bezugnahme auf aktuelles sozioempirisches Forschungsmaterial notwendig, die mit der vorliegenden Untersuchung nicht geleistet werden kann.<\/p>\n<p>Doch auch die verschiedenen, in Details gehenden Studien zu sozialen Milieus k\u00f6nnen die soziale Verfassung einer Gesellschaft niemals ad\u00e4quat abbilden. Dieses Problem wird durch die unterschiedliche Anzahl der von den Studien angenommen Milieus deutlich. Insbesondere ist zu fragen, ob diese Studien, deren Grundlagen vor der Wiedervereinigung entstanden und von der Zeitstimmung der 80er Jahre gepr\u00e4gt sind wie insbesondere \u00bbDie Erlebnisgesellschaft\u00ab von Schulze heute noch gen\u00fcgend Aussagekraft besitzen. Das Milieumodell erfasst die soziale Dynamik nur ungen\u00fcgend. Dies belegt das Entstehen von vielf\u00e4ltigen milieu\u00fcbergreifenden, junge und alte Menschen ansprechenden Szenen. Daher hat das Szenemodell das Milieumodell bez\u00fcglich der Erfassung von Konsumbed\u00fcrfnissen im Bereich der tempor\u00e4ren Konsumg\u00fcter wie Kleidung oder Nahrungsmittel abgel\u00f6st. So besch\u00e4ftigt sich beispielsweise Gerd Gerken mit der Entwicklung von Szenen in virtuellen R\u00e4umen. Ob die sozialen Akteure noch lange gem\u00e4\u00df dem Szenemodell handeln werden, wenn die Szenen zum Kampfplatz der Marktstrategen werden, ist fraglich. Die Analyse der Szenen verlangt, viel Detailwissen und ist im vorliegenden Zusammenhang nicht weiter verfolgbar.<\/p>\n<p>Demgegen\u00fcber ist beispielsweise das durch Karmasin adaptierte Modell von Douglas praktikabler, weil es sich nicht nur auf die Analyse von M\u00e4rkten, sondern auch auf andere Arten von sozialen Beziehungen anwenden l\u00e4sst und je nach Bedarf und Problemstellung spezifisch weiterentwickelt werden kann. Mit der Definition der \u00bbfatalistischen Kultur\u00ab k\u00f6nnen sich jedoch nur wenige Menschen identifizieren und die \u00bbindividualistische Kultur\u00ab bezeichnet eine Summation von Individuen, also im strengen Sinne kein soziales Beziehungsmuster. Zudem enth\u00e4lt die Kennzeichnung der individualistischen Kultur negative Konnotationen dahingehend, dass es suggeriert, jeder k\u00f6nne tun was er will. Um die daraus ableitbare, vereinfachende Konfrontation zwischen dem Sozialen und dem Individuellen zu vermeiden und um beiden Bereichen in ihrer Wichtigkeit als korrelative Komponenten der Erfahrungsdynamik gerecht zu werden, geht der Grundansatz der vorliegenden Untersuchung davon aus, dass die Trennung und gleichwertige Beachtung der selbstbezogenen und der kommunikativen Dimension von \u00e4sthetischer Erfahrung sinnvoller ist (<a href=\"\/design\/2-design-und\/\">vgl. Kapitel 2<\/a>). Nachfolgend wird daher ein Modell f\u00fcr die Organisationsdynamik der sozial bedingten Komponente entwickelt, das zwar \u00e4hnlich dem Kulturmodell von Douglas die Ausbildung typischer Orientierungsmuster bez\u00fcglich der Wahrnehmung und Erfahrung des Sozialen annimmt, diese jedoch in anderer Weise kennzeichnet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ankn\u00fcpfend an Luhmanns Theoriemodell (vgl. 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