{"id":294,"date":"2020-12-16T14:08:00","date_gmt":"2020-12-16T13:08:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vrabek.de\/design\/?page_id=294"},"modified":"2020-12-29T13:15:28","modified_gmt":"2020-12-29T12:15:28","slug":"2-2-3-imaginative-qualitaet-als-bewusst-gefuehlte-akzentuierung-aesthetischer-erfahrung-und-prospektive-aktualitaet-von-design","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.vrabek.de\/design\/2-design-und\/2-2-3-imaginative-qualitaet-als-bewusst-gefuehlte-akzentuierung-aesthetischer-erfahrung-und-prospektive-aktualitaet-von-design\/","title":{"rendered":"2.2.3 Imaginative Qualit\u00e4t als bewusst gef\u00fchlte Akzentuierung \u00e4sthetischer Erfahrung und prospektive Aktualit\u00e4t von Design"},"content":{"rendered":"<p>Design oder visuelle Kommunikation haben in vielen Bereichen die Aufgabe, Orientierung f\u00fcr praktisches Handeln anzubieten. Zum Beispiel machen medizinische Illustrationen dem Laien verst\u00e4ndlich, wie die Immunabwehr funktioniert. Schemata und Diagramme zeigen \u00f6konomische oder \u00f6kologische Zusammenh\u00e4nge auf, das Design einer Fernbedienung erleichtert dem Benutzer die Bedienung durch logische, leicht erlernbare Tastenanordnungen und -bezeichnungen, oder handliche, kombinierte Stadt- und Fahrpl\u00e4ne verschaffen auf einen Blick eine erste, zuverl\u00e4ssige Orientierung. Deshalb liegt nach Martin Krampen das Spezifikum der visuellen Kommunikation in der M\u00f6glichkeit, Erkenntnisse zu komplexen Sachverhalten, die in einer verbal linearen Folge praktisch unbeschreibbar sind, fehlerfrei zu verbreiten (<a href=\"\/design\/literaturverzeichnis\/\">vgl. Krampen in: EPWT, Art. Kommunikation, visuelle<\/a>). Krampens Definition von visueller Kommunikation betont deren n\u00fctzliche Vermittlungsfunktion. Diese zu gestalten ist ein unbestritten wichtiger Aufgabenbereich f\u00fcr Designer. Doch dieser muss auch die Frage nach der Bedeutung oder Wirkung einer dem Rezipienten vermittelten Erkenntnis in dessen Erfahrungsfluss einschlie\u00dfen. Das hei\u00dft, bez\u00fcglich der imaginativen, am Orientierungswert ausgerichteten \u00e4sthetischen Erfahrungsqualit\u00e4t von Design oder visueller Kommunikation geht es um die Einbindung von Erkenntnis unter Ber\u00fccksichtigung der inneren Orientierung der Rezipienten. Die visuelle oder, f\u00fcr Design im allgemeinen, die sinnlich erfahrbare Pr\u00e4sentation von Vorstellungen, Ideen oder Phantasien befriedigt nicht nur eine der momentanen Orientierungssuche entsprechende Informationsfunktion, sondern kann auch eine imaginative Qualit\u00e4t innerhalb der Erfahrungsdynamik annehmen. Deshalb ist das Angebot von unterschiedlich gestalteten und verschiedene Schwerpunkte betonenden Stadtpl\u00e4nen sinnvoll. Das gestalterische Ziel, den Menschen durch Design die Orientierung zu erleichtern, wird oft durch einseitig ausgerichtete Komplexit\u00e4tsminderung und Ordnungssteigerung konkretisiert. Zu bestimmten Orientierungsproblemen gibt es aber nicht nur jeweils eine beste Erkenntnis und deren Umsetzung durch ein optimales Design. So m\u00f6chte ein Urlauber selten auf dem schnellsten Weg sein ausgew\u00e4hltes Ziel in einer Stadt erreichen. Er ben\u00f6tigt einen Stadtplan, der, weniger den weltbezogenen Orientierungsnutzen, als vielmehr den inneren, erfahrungsbezogenen Orientierungswert, die imaginative Qualit\u00e4t, f\u00f6rdert, indem nicht die k\u00fcrzeste, sondern eine auf das Ziel einstimmende Wegef\u00fchrung hervorgehoben ist oder entsprechende Vorschl\u00e4ge f\u00fcr eigene Zusammenstellungen angedeutet werden.<\/p>\n<p>Inzwischen hat sich mit der ver\u00e4nderten Vorstellung zur vieldimensionalen Dynamik von Erkenntnis auch die Einstellung zur Definition von Design gewandelt. Genauso, wie es verschiedene m\u00f6gliche Erkenntnisrichtungen gibt, die von dem gleichen Problem ausgehend zu mehreren richtigen L\u00f6sungen f\u00fchren, k\u00f6nnen verschiedene, jeweils f\u00fcr sich gute Designl\u00f6sungen entwickelt werden. Die Entscheidung f\u00fcr eine L\u00f6sung muss kontextbezogen erfolgen. Eine beste L\u00f6sung f\u00fcr alle denkbaren Sonderf\u00e4lle kann sich nur auf dem Niveau des kleinsten gemeinsamen Nenners bewegen. Dieses reicht zwar in Notsituationen aus, stellt jedoch im Einzelfall eine dogmatische Beschneidung menschlicher Lebensqualit\u00e4t dar. Insbesondere die imaginative Qualit\u00e4t der bewussten \u00e4sthetischen Erfahrung erh\u00e4lt zu wenig Impulse. Sie entsteht innerhalb der Erfahrungsdynamik immer wieder neu und ist an die Kraft der Kreativit\u00e4t gekoppelt. Zur imaginativen Qualit\u00e4t geh\u00f6rt die Vorstellung von st\u00e4ndigen Ver\u00e4nderungen und Zukunftsoffenheit im positiven Sinne. Sie wird als Faszination an M\u00f6glichkeiten erlebt, deren Konkretisierung nicht zwangsl\u00e4ufig erfolgen muss. Bewusste Erfahrungskomponenten wie das eigene Selbst, die Mitmenschen und die Welt sind nicht statisch definiert, sondern werden innerhalb der bewussten Erfahrung immer wieder anders entworfen und erhalten ver\u00e4nderte Bedeutungen.<\/p>\n<p>Sobald Menschen mehr Freiraum haben, selber zu denken, zu gestalten und ihre imaginative Erfahrungsqualit\u00e4t auszuleben, ben\u00f6tigen sie die Unterst\u00fctzung durch Designprofis weniger in Form von formalisierten \u00e4sthetischen L\u00f6sungsstandards als vielmehr durch vielf\u00e4ltige, die Verschiedenheit der inneren Erfahrungsdynamik ber\u00fccksichtigende und ihren Verlauf vorausschauend einbeziehende \u00e4sthetische Orientierungsangebote. Wie dieses individuelle, prospektive Design produktionstechnisch ohne Verteuerung oder Qualit\u00e4tsminderung der Produkte und ohne zus\u00e4tzliche Umweltbelastung umgesetzt werden kann ist ein gesellschaftlich zu l\u00f6sendes Problem, das nicht ausschlie\u00dflich und in erster Linie die Berufsgruppe der Designer betrifft. Obwohl alle diese Produktionsprobleme f\u00fcr die Entwicklung eines Designkonzepts wichtig sind, bleibt doch die Beachtung und Ausrichtung von Design an der bevorzugten \u00e4sthetischen Erfahrungsqualit\u00e4t f\u00fcr die Interaktion oder Kommunikation zwischen Nutzern und Lebenskontext die fachspezifische Aufgabe von Design. Hier kann der Designer seine \u00e4sthetische Kompetenz einbringen, um f\u00fcr den Nutzer passende L\u00f6sungen anzubieten, ohne ihm ein \u00e4sthetisches Glaubensbekenntnis aufdr\u00e4ngen zu wollen. Selbst wenn Design prim\u00e4r durch Erkenntnisvermittlung und Orientierungshilfe definiert wird, ist es im Hinblick auf die Dynamik und Vielfalt menschlichen Lebens und der damit verbundenen Erkenntnisdynamik und Orientierungsvielfalt anzustreben, differenzierte Designl\u00f6sungen zu einem Problemfeld zu entwickeln.<\/p>\n<p>F\u00fcr die disziplin\u00e4re Entwicklung m\u00fcsste aus diesen \u00dcberlegungen der Schluss gezogen werden, dass es besser ist, die Kompetenz der Designer darauf zu trainieren, mehrere gute L\u00f6sungen zu einer Problemdefinition zu finden und ein waches Bewusstsein f\u00fcr qualitative Lebensvielfalt zu entwickeln als sich auf die Idee einer Optimall\u00f6sung zu fixieren. Durch die Zur\u00fccknahme des \u00e4sthetischen Wahrheitsanspruchs seitens des Designs steigen jedoch auch die Anforderungen an den Nutzer hinsichtlich der Bewusstwerdung seiner Priorit\u00e4ten bez\u00fcglich der \u00e4sthetischen Erfahrung sowie der Bildung seines pers\u00f6nlichen \u00e4sthetischen Urteilsverm\u00f6gens. Wie die Ausrichtung von Design auf die prospektive Aktualit\u00e4t f\u00f6rderlich f\u00fcr die Priorit\u00e4t der imaginativen Qualit\u00e4t der \u00e4sthetischen Erfahrung wirken kann, wird in der anschlie\u00dfenden Analyse (<a href=\"\/design\/2-design-und\/2-3-aesthetische-hauptkriterien-fuer-design-in-korrespondenz-zu-bewussten-organisationsqualitaeten\/\">vgl. Punkt 2.3<\/a>) untersucht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Design oder visuelle Kommunikation haben in vielen Bereichen die Aufgabe, Orientierung f\u00fcr praktisches Handeln anzubieten. 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