{"id":131,"date":"2015-12-01T23:27:45","date_gmt":"2015-12-01T22:27:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vrabek.de\/design\/?page_id=131"},"modified":"2020-12-29T15:08:20","modified_gmt":"2020-12-29T14:08:20","slug":"5-1-2-kreiskausalitaet-und-akzentuierung-durch-mediale-organisationslogiken","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.vrabek.de\/design\/5-mediales\/5-1-modell-zur-organisationsdynamik-der-medialen-komponente\/5-1-2-kreiskausalitaet-und-akzentuierung-durch-mediale-organisationslogiken\/","title":{"rendered":"5.1.2 Kreiskausalit\u00e4t und Akzentuierung durch mediale Organisationslogiken"},"content":{"rendered":"<p>Die Orientierung an Medien hat einen ordnenden Einfluss auf Erfahrungsprozesse. Durch die wiederholte Bezugnahme auf Medien werden Erfahrungen r\u00e4umlich und durch die Stabilit\u00e4t der Medien auch zeitlich gegliedert und organisiert. Schlie\u00dflich bildet sich die Annahme bestimmter Regeln f\u00fcr die Interaktion mit Medien aus. Diese an Regeln orientierte Folgerichtigkeit von Erfahrungsprozessen im Zusammenhang mit der medial bedingten Komponente von Erfahrung wird im weiteren durch den Begriff der medialen Organisationslogik zum Ausdruck gebracht. Die mediale Organisationslogik bezieht sich auf die durch individuelle und sozial koordinierte Erfahrungen entstandenen und tradierten Erwartungen hinsichtlich der Interaktion mit den Medien, nicht auf eine objektive Eigenlogik der Medien. Aus dem Vergleich der verschiedenen, im Zuge der Charakterisierung der medial bedingten Komponente vorgestellten Ans\u00e4tze ist die modellhafte Vorstellung ableitbar, dass in der praktischen Erfahrung im Umgang mit Medien drei Arten zu unterscheiden sind. Diese zeichnen sich jeweils durch eine typische Organisationslogik, die mit ihnen verbunden wird, aus. Die bevorzugte Interaktion mit einem solchen Medien- bzw. Logiktyp bewirkt eine entsprechende Akzentuierung der Erfahrung.<\/p>\n<p>Die erste Art von Medien bezieht sich auf die Ausformung und Gestaltung der individuell verk\u00f6rperten Erfahrung im kreativen Lebensprozess durch den singul\u00e4ren Organismus. Diese Art findet zwar in den meisten Medientheorien Ber\u00fccksichtigung (<a href=\"\/design\/literaturverzeichnis\/\">vgl. Pross, 1972; Posner, 1985<\/a>), ihre genauere Untersuchung erfolgt haupts\u00e4chlich unter der Annahme, dass die Kl\u00e4rung der ver\u00e4ndernden Einfl\u00fcsse durch technisch entwickelte Medien auf die K\u00f6rperlichkeit und damit auch auf die sinnliche Wahrnehmung als nat\u00fcrliches Medium das Hauptproblem ausmacht (<a href=\"\/design\/literaturverzeichnis\/\">vgl. u. a. Burckhardt, M., 1994<\/a>). Ohne diese Problematik des Eingebettetseins der Ontogenese in die Phylogenese missachten zu wollen, wird dem Zusammenhang der vorliegenden Untersuchung entsprechend ein anderer Schwerpunkt hinsichtlich der Analyse des K\u00f6rpers als Medium gesetzt. Jeder Mensch entwickelt ein individuelles Medien-Schema seines K\u00f6rpers und seiner k\u00f6rperlichen F\u00e4higkeiten. Hierauf basiert die mit der individuellen K\u00f6rpererfahrungen verbundene singul\u00e4re organische Logik. Die bevorzugte Interaktion mit Medien, die der organischen Logik unterliegen, f\u00fchrt zu einer entsprechenden Akzentuierung der \u00e4sthetischen Erfahrung, die auch in den Hauptprozess einflie\u00dft.<\/p>\n<p>Eine zweite Art von Medien umfasst den soziokulturell ausgeformten, pragmatischen Erfahrungsanteil, wie das Interagieren und Kommunizieren im gegenst\u00e4ndlichen und sozialen Lebenskontext. Die Wichtigkeit dieser Art f\u00fcr die soziologische Forschung hebt insbesondere Joshua Meyrowitz (<a href=\"\/design\/literaturverzeichnis\/\">vgl. Pross, 1972; Posner, 1985<\/a> ) hervor. Gegen\u00fcber der Vielfalt m\u00f6glicher singul\u00e4rer Konkretisierungen der Erfahrung aufgrund der organischen Logik findet hier eine Reduktion durch soziale Selektion statt. Die Menschen teilen ihren Lebensraum und einigen sich freiwillig oder gezwungenerma\u00dfen auf bestimmte Formen, mit ihrer gemeinsamen Umwelt und Dingwelt zu interagieren. Die sich daraus ergebende Logik wird als kontextuelle Organisationslogik bezeichnet. Durch sie werden verschiedenste Handlungskontexte wie Arbeiten und Wohnen voneinander abgegrenzt oder verbunden. Auch die Dominanz von Interaktionen mit Medien, die einer kontextuellen Logik folgen, akzentuiert die \u00e4sthetische Erfahrung.<\/p>\n<p>Die dritte Art der Medien betrifft zum einen die von Werner Rammert herausgestellten technologisch generalisierten, zum anderen die symbolisch generalisierten Medien (<a href=\"\/design\/literaturverzeichnis\/\">vgl. in: Weingart (Hrsg.), 1989<\/a>). Auf deren Untersuchung liegt ein anderer Akzent, als ihn zum Beispiel Luhmann setzt. Der Begriff der Generalisierung kennzeichnet die Gewinnung eines Allgemeinen aufgrund der Einzelf\u00e4lle. Dies kann so verstanden werden, dass eine Generalisierung von Erfahrung im Sinne einer Angleichung oder B\u00fcndelung der partiell entwickelten, kontextuellen Logiken beispielsweise durch einen langen kulturellen Erfahrungsprozess erfolgt. Diese kulturgeschichtliche Perspektive trifft nicht das Anliegen der vorliegenden Untersuchung. F\u00fcr diese ist es wichtiger, die aktuellen und zuk\u00fcnftigen Konsequenzen zu analysieren, welche sich aus der Interaktion mit solchen als allgemeing\u00fcltig angenommenen Medien f\u00fcr die Erfahrung ergeben. Daher soll als Basis f\u00fcr die \u00dcberlegungen zu diesem dritten Typ der medialen Logiken die Annahme gelten, ihre Besonderheit daran festzumachen, dass sich der produktive wie der rezeptive Umgang mit diesem Medientyp an einem expliziten Regelsatz orientiert. So wird die Erfahrung w\u00e4hrend der Interaktion mit einem Computer zwar auch durch die organische oder kontextuelle Logik mit beeinflusst, ihrer Besonderheit liegt jedoch in der Notwendigkeit, die Standards der Software erf\u00fcllen zu m\u00fcssen. Da diese Untersuchung auch technische Medien einbezieht, ist zu bedenken, dass die Kompetenz zum regelgeleiteten Umgang mit diesen Medien weniger einer impliziten, soziokulturell gewachsenen Erfahrung entspringt wie dies bez\u00fcglich den soziologisch zu analysierenden symbolisch generalisierten Kommunikationsmedien der Fall ist. Diese Kompetenz entwickelt sich vielmehr durch das Sammeln, Vergleichen und Werten von gezielt durchgef\u00fchrten Erfahrungen bez\u00fcglich der Interaktion mit explizit gesetzten technischen Standards. Hierbei kommt es nicht allein auf das Setzen oder strenge Befolgen dieser Standards an, sondern auch auf deren kontrolliertes Durchbrechen, \u00dcberpr\u00fcfen und Erneuern. In diesem Sinne ist diese dritte Medienart dadurch gekennzeichnet, dass die Interaktionen mit den zugeh\u00f6rigen Medien durch festgelegte Standards und explizite Codes generalisiert sind. Im Weiteren wird die Logik dieser Medienart daher als standardisierte Organisationslogik typisiert. Sie kennzeichnet eine dritte Weise der Akzentuierung von \u00e4sthetischer Erfahrung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Orientierung an Medien hat einen ordnenden Einfluss auf Erfahrungsprozesse. Durch die wiederholte Bezugnahme auf Medien werden Erfahrungen r\u00e4umlich und durch die Stabilit\u00e4t der Medien auch zeitlich gegliedert und organisiert. Schlie\u00dflich bildet sich die Annahme bestimmter Regeln f\u00fcr die Interaktion&hellip;  <\/p>\n<p class=\"more-link\"><a href=\"https:\/\/www.vrabek.de\/design\/5-mediales\/5-1-modell-zur-organisationsdynamik-der-medialen-komponente\/5-1-2-kreiskausalitaet-und-akzentuierung-durch-mediale-organisationslogiken\/\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":127,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.vrabek.de\/design\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/131"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.vrabek.de\/design\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.vrabek.de\/design\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vrabek.de\/design\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vrabek.de\/design\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=131"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.vrabek.de\/design\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/131\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1428,"href":"https:\/\/www.vrabek.de\/design\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/131\/revisions\/1428"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vrabek.de\/design\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/127"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.vrabek.de\/design\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=131"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}