{"id":844,"date":"2015-12-28T19:31:25","date_gmt":"2015-12-28T18:31:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vrabek.de\/design\/?p=844"},"modified":"2016-02-05T21:43:20","modified_gmt":"2016-02-05T20:43:20","slug":"wertbestimmung-zum-kriterium-der-niveaudifferenzierbarkeit-bezueglich-der-hierarchischen-struktur","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.vrabek.de\/design\/2015\/12\/28\/wertbestimmung-zum-kriterium-der-niveaudifferenzierbarkeit-bezueglich-der-hierarchischen-struktur\/","title":{"rendered":"Wertbestimmung > Zum Kriterium der \u00bbNiveaudifferenzierbarkeit\u00ab bez\u00fcglich der hierarchischen Struktur"},"content":{"rendered":"<p><svg xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" style=\"margin:0 8px -8px 0; float: left\" width=\"180px\" height=\"90px\"><image xlink:href=\"http:\/\/www.vrabek.de\/design\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/i4_distinktiv.svg\" src=\"\" width=\"180px\" height=\"90px\" alt=\"distinktives Potential\"  \/><\/svg> W\u00e4hrend bez\u00fcglich der integrativen Struktur die Ganzheitlichkeit als Wertungsprinzip implizit die kommunikative Dimension der \u00e4sthetischen Erfahrung beeinflusst, basiert die hierarchische Struktur und die daran orientierte Kommunikation auf einem explizit definierten Wertungsprinzip, das durch unterschiedlichste Zielvorgaben konkretisiert sein kann. Einige Individuen schaffen es der expliziten Zielvorgabe n\u00e4her kommen und andere entfernen sich von ihr. Die Zielvorgabe ist nicht f\u00fcr alle sozialen Akteure gleicherma\u00dfen erreichbar. Zudem erfordert eine der Zielvorgabe entsprechende Beteiligung spezielles Vorwissen, das nicht jeder erwerben kann. Deshalb f\u00fchrt diese Wertbestimmung zu einer Ungleichheit in der Kooperation der Individuen. Zum wesentlichsten Inhalt der Erfahrung wird es, die eigene Position im Vergleich zu den anderen zu bestimmen. Deshalb ist das Kriterium der Niveaudifferenzierbarkeit f\u00fcr Menschen, die sich prim\u00e4r an einer hierarchischen Struktur orientieren, so wichtig.<\/p>\n<p>Im Unterschied zum Kriterium der Ganzheitlichkeit, das im Sinne der erkenntnistheoretischen Richtung des naiven Realismus ohne weitere Reflexion mit dem Glauben an ein unmittelbares Grundverst\u00e4ndnis zwischen den Menschen und auch zwischen Mensch und Umwelt verbunden wird, erreicht das Kriterium der Niveaudifferenzierbarkeit bez\u00fcglich der hierarchischen Struktur ein h\u00f6heres Abstraktionsniveau. Konkretisierungen in Form eines entsprechenden Potentials von Design sind nicht bereits im allt\u00e4glichen sozialen Miteinander wie durch das kollektive Potential von Design gegeben, sondern m\u00fcssen grunds\u00e4tzlich erst entwickelt werden.<\/p>\n<p>Logisches Denken, pr\u00e4zises Befolgen von einmal formuliertem Wissen, exakter Umgang mit Handwerkszeug und ranggem\u00e4\u00dfe Zuordnung des individuellen Verm\u00f6gens innerhalb der Niveaudifferenz, geh\u00f6ren zu diesem \u00e4sthetischen Kriterium. F\u00fcr jemanden, der sich auf ein bestimmtes Wertungsprinzip eingeschworen hat und seine \u00e4sthetische Erfahrung an der diesbez\u00fcglichen Perfektion aller Komponenten ausrichtet, ist es oft nicht mehr m\u00f6glich auf kritische Distanz zu gehen und erstens zu bemerken, dass neben dem gew\u00e4hlten Wertungsprinzip noch alternative Prinzipien stehen sowie zweitens deren m\u00f6gliche Gleichwertigkeit anzuerkennen. Dies gilt nicht nur hinsichtlich Werten wie dem Einkommen oder dem Bildungsstatus, sondern kann auch die nach spezifischen Zielvorgaben entstanden Niveaudifferenzierung innerhalb wissenschaftlichen Systemen beeinflussen. Die Konzentration auf eine dominante Wertbestimmung erschwert einen Paradigmenwechsel (vgl. Kuhn, 1976).<\/p>\n<p>Eine an der hierarchischen Struktur orientierte \u00e4sthetische Erfahrung sucht nach Designangeboten, die dem jeweils erreichten Niveau Ausdruck geben. Das distinktive Potential von Design muss daher, um dem Kriterium der Nieveaudifferenzierbarkeit zu entsprechen, Abstufungen hinsichtlich dem repr\u00e4sentativen Status wie Funktionsqualit\u00e4t oder handwerklicher Pr\u00e4zision ausdr\u00fccken.<\/p>\n<h2>Beispiel f\u00fcr das distinktive Potential von Design<\/h2>\n<p>Ein Merkmal des distinktiven Potentials von Design ist die niveaugerechte, spezialisierte, ohne Vorwissen nicht erschlie\u00dfbare Verkoppelungen von Form und Inhalt. Deshalb sind Materialien, Konstruktion und Fertigungstechniken nach expliziten Regeln anzuwenden. Kein Detail ist zuf\u00e4llig, jedes Gestaltungselement repr\u00e4sentiert eine Bedeutung. Bez\u00fcglich dem distinktiven Potential von Design entspricht jedem \u00e4sthetischen Ausdruckselement ein bestimmter Wert auf einer gedachten Skala zur Niveaudifferenz. Insbesondere im Automobilbereich gibt es fein abgestufte Unterschiede in der Ausstattung der Typenklassen. Wie wichtig dieses distinktive Potential von Design f\u00fcr die Kunden ist, zeigt der Markterfolg von Accessoires, die mit dem Produkt Auto wenig zu tun haben, aber sich dessen jeweiligem Niveau und Sozialprestige zuordnen lassen. Diese Produkte geben auch einem Kunden, der sich das zugeh\u00f6rige Auto nicht leisten kann das Gef\u00fchl, wenigstens mit der richtigen Sonnenbrille und der aus seiner Sicht standesgem\u00e4\u00dfen Lederjacke ausgestattet zu sein.<\/p>\n<p>Durch solche Zuordnungen entsteht ein Stil, der die niveaugerechte kommunikative Dimension der \u00e4sthetischen Erfahrung pr\u00e4gt. Solange der Zusammenhang der Ausdruckselemente mit einem Niveau durch entsprechende Kennerschaft der sozialen Akteure lebendig gehalten wird, gilt dieser Stil zwar als \u00e4sthetischer Kanon, der als Idealzustand anzustreben ist, jedoch st\u00e4ndig kleine Ver\u00e4nderungen erf\u00e4hrt und in der gew\u00fcnschten Perfektion oft unerreichbar bleibt. Kommt es aber zu einer Absolutsetzung der Zielvorgabe, dann erstarren die kleinen Ver\u00e4nderungsprozesse und das Erkennen der zugeh\u00f6rigen Niveaudifferenz erfordert immer weniger spezifische Kennerschaft, bis schlie\u00dflich ein Bruch der spezifischen Einheit von Form und Inhalt und die Mutation des lebendigen Stils zu einem inhaltsleeren Formalismus eintritt.<\/p>\n<p>So w\u00e4hlen viele Menschen, die schnell zu Wohlstand gekommen sind, sich an der hierarchischen Struktur orientieren und ihren neuen Status durch den Erwerb teurer Produkte pr\u00e4sentieren wollen, nicht die wirklich wertvollen St\u00fccke aus, sondern diejenigen, die von jedermann f\u00fcr solche gehalten werden. Beispielsweise ist dies am Konsumverhalten wohlhabender B\u00fcrger ehemaliger Ostblockl\u00e4nder zu beobachten, welche sich mit \u00fcberdimensionierten M\u00f6beln, die teils aus Spanplatten gefertigt sind, ausstatten. Ihnen fehlt zwar die erforderliche \u00e4sthetische Kennerschaft, die sie br\u00e4uchten, um von den Insidern dieses Niveaus anerkannt zu werden, dies schadet aber nicht, wenn die Deutlichkeit und leichte Erkennbarkeit des nun erreichten Niveaus f\u00fcr gesellschaftlich weiter unten stehende Menschen ihres Landes Priorit\u00e4t hat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>W\u00e4hrend bez\u00fcglich der integrativen Struktur die Ganzheitlichkeit als Wertungsprinzip implizit die kommunikative Dimension der \u00e4sthetischen Erfahrung beeinflusst, basiert die hierarchische Struktur und die daran orientierte Kommunikation auf einem explizit definierten Wertungsprinzip, das durch unterschiedlichste Zielvorgaben konkretisiert sein kann. 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