{"id":798,"date":"2020-12-28T14:52:00","date_gmt":"2020-12-28T13:52:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vrabek.de\/design\/?p=798"},"modified":"2020-12-29T13:55:17","modified_gmt":"2020-12-29T12:55:17","slug":"interaktion-zum-hauptkriterium-der-konkreten-dinglichkeit-bezueglich-der-perzeptiven-qualitaet","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.vrabek.de\/design\/2020\/12\/28\/interaktion-zum-hauptkriterium-der-konkreten-dinglichkeit-bezueglich-der-perzeptiven-qualitaet\/","title":{"rendered":"Interaktion > Zum Hauptkriterium der \u00bbkonkreten Dinglichkeit\u00ab bez\u00fcglich der perzeptiven Qualit\u00e4t"},"content":{"rendered":"<p><svg xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" style=\"margin:0 8px -8px 0; float: left\" width=\"180px\" height=\"90px\"><image xlink:href=\"http:\/\/www.vrabek.de\/design\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/i2_formativ.svg\" src=\"\" width=\"180px\" height=\"90px\" alt=\"formative Aktualit&auml;t\"  \/><\/svg> Die perzeptiven Qualifizierung erfolgt unter v\u00f6lliger Absehung von subjektiven Interessen. Deshalb wird sowohl im eher rezeptiven, als auch eher produktiven Interagieren der Anlass der Reize, beispielsweise die Gegenst\u00e4nde des Lebenskontextes, in ihrer konkreten Dinglichkeit angenommen. Jedes Ding ist demnach in der bewussten \u00e4sthetischen Anschauung thematisierbar, ohne gleichzeitig psychologische Interpretationen ausdr\u00fccken oder anregen zu m\u00fcssen. Dadurch wird es m\u00f6glich nach Kriterien und Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten der Anschauung zu forschen, die sich nur auf die Organisation der Gestaltungsmittel, die f\u00fcr die das Zustandekommen und die perzeptive Qualit\u00e4t von konkreter Dinglichkeit n\u00f6tig sind, konzentrieren (<a href=\"\/design\/3-subliminales\/3-1-2-kreiskausalitaet-und-akzentuierung-durch-subliminale-organisationstendenzen\/\">vgl. Kapitel 3.1.2<\/a>). Diese \u00dcberlegungen pr\u00e4gten zu Beginn dieses Jahrhunderts das k\u00fcnstlerische Denken, flossen in die Lehre des Bauhauses ein und trugen zu einem an der formalen \u00c4sthetik ausgerichteten \u00e4sthetischen Grundverst\u00e4ndnis bereits in der Entstehungsphase von Design als eigener Disziplin bei.<\/p>\n<blockquote><p>\u00bbKandinsky attestiert dem zweidimensionalen Formelement die Qualit\u00e4t eines Dinges, um es von jeder Nachahmungsfunktion zu entbinden und seine Eigenst\u00e4ndigkeit zu betonen \u00ad denn ein Ding ahmt ja nichts nach, sondern stellt sich selbst dar.\u00ab (<a href=\"\/design\/literaturverzeichnis\/\">Hofmann, 1987, S. 55<\/a>)<\/p><\/blockquote>\n<p>Eine Linie soll nicht als Abbild, Ornament, Symbol oder sonstiges Zeichen, sondern einzig in ihrer Selbstbez\u00fcglichkeit als geformtes Ding gesehen werden. Hier ist nochmals daran zu erinnern, dass die konkrete Dinglichkeit nur in der sinnlichen Anschauung durch Interaktion entfaltet wird, also nicht in gleicher Form unabh\u00e4ngig vom Instrumentarium des menschlichen K\u00f6rpers und der gehirninternen Verarbeitung real existiert. Design mit dem Schwerpunkt der formativen Aktualit\u00e4t wird im Hinblick auf die F\u00f6rderung der perzeptiven Erfahrungsqualit\u00e4t entworfen. Dies hei\u00dft bez\u00fcglich dem Hauptkriterium der konkreten Dinglichkeit, dass es eine bestimmte Art und Weise der Interaktion mit der Welt kennzeichnet und diese f\u00f6rdert.<\/p>\n<p>Die Besonderheit dieser Interaktion liegt bei der Rezeption oder Nutzung in der Akzeptanz und bei der gestalterischen Produktion in der Konzeption der Eigenaktivit\u00e4t der Dinge. Entsprechend dem \u00e4sthetischen Eigenwert oder Selbstzweck liegt der Zweck der solcherma\u00dfen gestalteten Dinge prim\u00e4r in ihrem Gebrauch, das hei\u00dft, der auf sie gerichteten Interaktion selbst, nicht in ihrem instrumentellen Potential. Inwieweit die rezeptive Interaktion festgelegt ist, ob ein gro\u00dfer Spielraum bleibt oder strikte Grenzen gesetzt sind, ist graduell variierbar. Nicht jeder ist gewillt oder f\u00e4hig, sich auf die allzu einengende formative Aktualit\u00e4t von Design einzulassen. Die Einsch\u00e4tzung der formativen Aktualit\u00e4t als reizvolle oder zwanghafte konkrete Dinglichkeit h\u00e4ngt von der qualitativen Ausrichtung der \u00e4sthetischen Erfahrung und der Kennerschaft ab.<\/p>\n<p>Designer erliegen w\u00e4hrend dem Designprozess, der sich im Wechsel von produktiver und rezeptiver Interaktion entwickelt, oft selbst dem Reiz der konkreten Dinglichkeit, indem sie letztlich zu viele Details bez\u00fcglich der perzeptiven Qualit\u00e4t festlegen. So lassen sich manche Entw\u00fcrfe f\u00fcr das heimische Badezimmer zwar sch\u00f6n fotografieren, sind aber f\u00fcr die interaktive Erschlie\u00dfung der konkreten Dinglichkeit als Hauptkriterium der Erfahrungsqualit\u00e4t nicht mehr geeignet, weil ihre Perfektion durch jede Interaktion sofort zerst\u00f6rt wird.<\/p>\n<h2>Beispiel f\u00fcr die formative Aktualit\u00e4t von Design<\/h2>\n<p>Viktor Vasarely (1908-\u00ad1996) entwickelte eine Methode, um wissenschaftliche Vorstellungen von Raum und Zeit in Sinnesempfindungen zu \u00fcbertragen. Er konzipierte beispielsweise eine Art abstraktes Puzzle, das auch ohne k\u00fcnstlerische Vorbildung zu verschiedenen sinnlich reizvollen Form- und Farb-Kompositionen arrangiert werden kann. Es entstehen also keine beliebigen Arrangements, weil bestimmte Vorgaben eingebaut sind, die der spielerisch Interagierende beachten muss.<\/p>\n<p>Einige Computerspiele sind dann der formativen Aktualit\u00e4t von Design zuzuordnen, wenn der Spieler zwar Entscheidungsfreiheiten hat, aber der Spielverlauf relativ festgelegt und mit der Absicht geplant ist, dem den Regeln folgenden Spieler ein gewisses Ma\u00df an \u00e4sthetischem Vergn\u00fcgen zu garantieren.<\/p>\n<p>Ebenso gibt die barocke Gartengestaltung bestimmte Wegef\u00fchrungen vor, die nicht in erster Linie dazu dienen, den Garten schnell zu durchqueren. Vielmehr geht es darum w\u00e4hrend der Interaktion mit der Gartenanlage eine perzeptive Qualit\u00e4t entfalten zu k\u00f6nnen. \u00c4hnliches erlebt man beim stressfreien Schlendern durch eine unbekannte Altstadt. Auch einige neuere Wohnsiedlungen bieten regelm\u00e4\u00dfige und doch variierende Strukturen an, deren Erschlie\u00dfung durch einen Spaziergang sinnlich perzeptives Vergn\u00fcgen macht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die perzeptiven Qualifizierung erfolgt unter v\u00f6lliger Absehung von subjektiven Interessen. Deshalb wird sowohl im eher rezeptiven, als auch eher produktiven Interagieren der Anlass der Reize, beispielsweise die Gegenst\u00e4nde des Lebenskontextes, in ihrer konkreten Dinglichkeit angenommen. 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