{"id":787,"date":"2020-12-28T14:18:00","date_gmt":"2020-12-28T13:18:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vrabek.de\/design\/?p=787"},"modified":"2020-12-29T13:41:42","modified_gmt":"2020-12-29T12:41:42","slug":"selbstreflexion-zum-hauptkriterium-des-bewussten-selbstgefuehls-bezueglich-der-empathiven-qualitaet","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.vrabek.de\/design\/2020\/12\/28\/selbstreflexion-zum-hauptkriterium-des-bewussten-selbstgefuehls-bezueglich-der-empathiven-qualitaet\/","title":{"rendered":"Selbstreflexion > Zum Hauptkriterium des \u00bbbewussten Selbstgef\u00fchls\u00ab bez\u00fcglich der empathiven Qualit\u00e4t"},"content":{"rendered":"<p><svg xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" style=\"margin:0 8px -8px 0; float: left\" width=\"180px\" height=\"90px\"><image xlink:href=\"http:\/\/www.vrabek.de\/design\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/i2_evokativ.svg\" src=\"\" width=\"180px\" height=\"90px\" alt=\"evokative Aktualit&auml;t\"  \/><\/svg> W\u00e4hrend der empathiven Erfahrungsbewertung tritt die momentane Gegebenheitsweise der Erfahrungsinhalte zugunsten der Reflexion des inneren Zustands, der mit ihnen verbunden ist, in den Hintergrund. Das Hauptkriterium des bewussten Selbstgef\u00fchls bezieht sich auf das subjektive, innerliche Selbst. Zwei wesentliche Kriterien bestimmen das Selbstgef\u00fchl. Erstens wird mit ihm die Subjektivit\u00e4t, die Einmaligkeit und die Privatheit von Erfahrungen verbunden. Zweitens geh\u00f6rt zum Selbstgef\u00fchl immer die pers\u00f6nliche Perspektivit\u00e4t. Beide Kriterien sind durch wissenschaftliche oder philosophische Ans\u00e4tze, die um die Formulierung objektiv nachpr\u00fcfbarer und allgemein verwertbarer Aussagen bem\u00fcht sind, schwer zu erfassen. Die Privatheit von Gef\u00fchlen oder \u00e4sthetischen Erfahrungen wird deshalb oft abgestritten oder als unwichtig erachtet. Im Bem\u00fchen, das typisch Menschliche zu beobachten und zu beschreiben, verlieren Wissenschaft und Philosophie den konkreten Menschen aus dem Blick.<\/p>\n<p>F\u00fcr das Selbstgef\u00fchl jedes Menschen gibt es neben den biologisch bedingten auch auf den soziokulturellen Kontext bezogene, verallgemeinerbare Einflussgr\u00f6\u00dfen. Dies sind alterstypische Entwicklungsphasen, Krankheit, Partnerwahl, soziale Anerkennung usw., die im pers\u00f6nlichen Erleben gef\u00fchlsm\u00e4\u00dfig verarbeitet werden m\u00fcssen. Psychotherapeutische Ans\u00e4tze k\u00f6nnen hierf\u00fcr insbesondere in zwischenmenschlichen Problemsituationen einen unterst\u00fctzenden Rahmen bieten. Die Reflexion des Selbstgef\u00fchls ist jedoch nicht nur eine Komponente der Problembew\u00e4ltigung, sondern geh\u00f6rt zu einer bewussten Lebensf\u00fchrung und kann auch allt\u00e4gliche Situationen zum Anlass nehmen. Durch Ver\u00e4nderungen und Wechselwirkungen der Beziehung zum eigenen Selbstkonzept, zum K\u00f6rper, zu anderen Menschen und zur Lebensumgebung wandelt sich das Selbstgef\u00fchl st\u00e4ndig. Die Qualit\u00e4t des Selbstseins begleitet mehr oder weniger intensiv jede innerliche Reflexion. Sie ist aber nur schwer f\u00fcr andere oder im eigenen Denken in Worte zu fassen oder durch nonverbale \u00e4sthetische Mittel auszudr\u00fccken. Wenn es nicht gelingt, sich wenigstens ab und zu bewusst dem F\u00fchlen der Empfindungsqualit\u00e4t des eigenen Selbst hinzugeben, entstehen innere Leere, Selbstentfremdung und Langeweile. Das Leben scheint sinnlos dahin zu gleiten (<a href=\"\/design\/literaturverzeichnis\/\">vgl. H\u00fclsemann, 1996<\/a>).<\/p>\n<p>Mit Thomas Metzinger ist bez\u00fcglich der Frage nach der Bedeutung von Selbstgef\u00fchlen, die den Zustand des inneren Selbst reflektieren, deren bestehender Gewissheitscharakter und deren fehlender Wissenscharakter festzustellen (<a href=\"\/design\/literaturverzeichnis\/\">vgl. Metzinger, 1993 u. 1996<\/a>). Von Selbstgef\u00fchlen als qualitative Selbstreflexion ist kein verwertbares Wissen abzuleiten, nur das sichere Gef\u00fchl, ein handelndes, verantwortliches Selbst zu sein. Wenn diese empathive Qualit\u00e4t der Selbstgewissheit fehlt, wird ein Mensch unsicher in seinen Gef\u00fchlen, der Verantwortung f\u00fcr sein Verhalten zu anderen Menschen und zu seiner Umwelt. Deshalb ist es sinnvoll, die evokative Aktualit\u00e4t von Design als Anregung f\u00fcr das Zustandekommen von bewussten Selbstgef\u00fchlen einzusetzen.<\/p>\n<h2>Beispiel f\u00fcr die evokative Aktualit\u00e4t von Design<\/h2>\n<p>Im Strafvollzug, beim Milit\u00e4r, im Kloster oder in Sekten benutzen Ma\u00dfnahmen zur St\u00f6rung des Selbstgef\u00fchls wie strenge Vorschriften f\u00fcr Frisur und Kleidung, strikte Zeiteinteilung, Reduktion pers\u00f6nlicher Utensilien, knapper Lebensraum, Beschneidung von Kommunikations- und Aktivit\u00e4tsm\u00f6glichkeiten, \u00dcberforderung des Leistungsverm\u00f6gens usw., stehen M\u00f6glichkeiten zur F\u00f6rderung eines positiv erlebbaren, bewussten Selbstgef\u00fchls entgegen. K\u00f6rperliches und geistiges T\u00e4tigsein und Wohlbefinden, individuell angepasste Kleidung, M\u00f6bel und Wohnr\u00e4ume, flexible Arbeitszeiten, Achtung vor der individuellen Lebensgeschichte usw., w\u00e4ren dann Richtlinien f\u00fcr die evokative Aktualit\u00e4t von Design im Alltag.<\/p>\n<p>In einer demokratischen Kultur, die verschiedene Lebensweisen und Selbstgef\u00fchle toleriert und in der die Menschen selbstbewusst die Freir\u00e4ume zur Lebensgestaltung nutzen wollen, k\u00f6nnen sich Designer nur selten auf ein elementares, aus dem vereinheitlichenden Ansatz der Anthropologie abgeleiteten gestalterisches Repertoire beziehen, indem sie sich zum Beispiel auf die \u00bbwesenhafte\u00ab Gef\u00fchle evozierende Kraft einer Farbe, einer Form oder eines Materials berufen. Das hei\u00dft nicht, dass es unn\u00f6tig oder unm\u00f6glich w\u00e4re ein Repertoire \u00e4sthetischer Mittel anzulegen, doch eine allzu schablonenhafte Anwendung von Zuordnungen zwischen Gestaltungsmitteln und Gef\u00fchlen, wie runde Formen und Erotik oder Kindchenschema, l\u00e4sst die Erforschung \u00e4sthetischer Mittel im Design stagnieren.<\/p>\n<p>Wenn die Erlebnisvielfalt und der das Selbstgef\u00fchl st\u00e4rkende Gewissheitscharakter von Sinneswahrnehmungen akzeptiert wird, sind wissenschaftliche Forschungen zu Farben, Oberfl\u00e4chen, Haptik, Duft- und Geschmacksstoffen, Ger\u00e4uschen usw., die meist von Herstellerfirmen oder naturwissenschaftlichen Hochschulinstituten betrieben werden, st\u00e4rker in das disziplin\u00e4re Wissen einzubeziehen und durch Forschungen zur Wirkung von Formen, Materialien, Proportionen usw. zu erg\u00e4nzen. Obwohl diesbez\u00fcglich h\u00e4ufig beispielsweise von Duft- oder Sound-Design die Rede ist, sind nur wenige Designer in solche Forschungen mit einbezogen. Hier w\u00e4re eine st\u00e4rkere Kooperation bereits in der Ausbildung anzustreben, denn die Computertechnik erleichtert es, nuancenreiche Effekte bei Gestaltungsmitteln zu erzielen, die der sinnlichen F\u00fclle und Vielfalt von Naturerscheinungen und menschlicher Erlebnisf\u00e4higkeit entsprechen und dadurch gezielter auf individuelle W\u00fcnsche einzugehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>W\u00e4hrend der empathiven Erfahrungsbewertung tritt die momentane Gegebenheitsweise der Erfahrungsinhalte zugunsten der Reflexion des inneren Zustands, der mit ihnen verbunden ist, in den Hintergrund. Das Hauptkriterium des bewussten Selbstgef\u00fchls bezieht sich auf das subjektive, innerliche Selbst. 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