{"id":762,"date":"2015-12-18T22:49:55","date_gmt":"2015-12-18T21:49:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vrabek.de\/design\/?p=762"},"modified":"2016-02-05T23:01:17","modified_gmt":"2016-02-05T22:01:17","slug":"selektion-zur-strategie-der-diversifizierung-bezueglich-der-initiativen-option","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.vrabek.de\/design\/2015\/12\/18\/selektion-zur-strategie-der-diversifizierung-bezueglich-der-initiativen-option\/","title":{"rendered":"Selektion > Zur Strategie der \u00bbDiversifizierung\u00ab bez\u00fcglich der initiativen Option"},"content":{"rendered":"<p><svg xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" style=\"margin:0 8px -8px 0; float: left\" width=\"180px\" height=\"90px\"><image xlink:href=\"http:\/\/www.vrabek.de\/design\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/i6_emanzipativ.svg\" src=\"\" width=\"180px\" height=\"90px\" alt=\"emanzipative Perspektivi&auml;t\"  \/><\/svg> Die menschliche Gesellschaft ist nur idealisierend als Ganzes zu betrachten. Durch kommunikative Entwicklungsprozesse bilden sich vielf\u00e4ltige, ver\u00e4nderliche Ausformungen der typischen sozialen Organisationsstrukturen. \u00c4sthetische Vorlieben, beispielsweise f\u00fcr geometrische, kantige Formen oder blumige Farben, ver\u00e4ndern sich mit der Pes\u00f6nlichkeitsentwicklung. Diese Lebensvielfalt erfordert die Bereithaltung vielf\u00e4ltiger Angebote f\u00fcr die \u00e4sthetische Erfahrung. Obwohl die M\u00f6glichkeiten f\u00fcr \u00e4sthetische Erfahrungen durch die Bedingungen der menschlichen K\u00f6rperlichkeit eingeschr\u00e4nkt sind, macht es nach den vorangegangenen \u00dcberlegungen weder Sinn anzunehmen, dass manche \u00e4sthetischen Elemente zeitlos sind, noch dass andere f\u00fcr immer veralten. Es wird immer wieder neue Kombinationen und Deutungen von bereits bekannten \u00e4sthetischen Elementen geben.<\/p>\n<p>Deshalb bleibt die an dem Ideal der Zeitlosigkeit orientierte, \u00e4sthetische Konzeption der Moderne wie der \u00bbInternationale Style\u00ab in der Architektur, die Bauhaustypografie in der visuellen Kommunikation oder die \u00bbNeue Sachlichkeit\u00ab f\u00fcr Gebrauchsgegenst\u00e4nde nur eine von anderen m\u00f6glichen Ausformungen, welche mit dem Engagement f\u00fcr die emanzipative Perspektivit\u00e4t von Design entstanden. Doch der humanistische Kern des linearen Aufkl\u00e4rungsgedankens der Moderne geht nicht verloren, sondern wird im pluralistischen Denkansatz der Postmoderne in unterschiedlichen Ausformungsrichtungen weitergef\u00fchrt (vgl. Welsch, 1987).<\/p>\n<p>Die pluralistische Sehweise nimmt nicht eine einzige richtige, sondern viele, in sich geschlossene Weltsichten an, die sich nicht auf eine gemeinsame Grundlage \u00ad wie die biologische Konstitution, Denk- oder Sprachstrukturen \u00ad zur\u00fcckf\u00fchren lassen. Erfahrung, Denken, Sprache und Lebensform beeinflussen sich gegenseitig und f\u00fchren deshalb zu vielf\u00e4ltigen Organisationsstrukturen und Traditionen innerhalb sozialer Systeme sowie im Denken und der Erfahrung sozialer Akteure. Dementsprechend gehen Theorien zum gesellschaftlichen Wandel nicht mehr von einer eindimensionalen gesamtgesellschaftlichen Weiterentwicklung aus. Durch die Parallelit\u00e4t von unterschiedlichen Lebensweisen als Ausdruck verschiedener Lebensziele hat die Idee der \u00e4sthetischen Moderne insoweit an Faszination verloren, als sie vorwiegend nur eine Entwicklungsrichtung, die auf mehr Rationalit\u00e4t abzielt, unterst\u00fctzt. Die Annahme mehrerer gleichwertiger und paralleler Entwicklungsrichtungen beinhaltet gleichzeitig den Verzicht auf die alles umfassende Anf\u00fchrerrolle einer intellektuellen Avantgarde.<\/p>\n<p>In Ankn\u00fcpfung an Luhmann sind soziale Systeme als Produkte von Kommunikation zu definieren und von den personalen Systemen, die sich durch Bewusstsein auszeichnen und der Umwelt sozialer Systeme zugeh\u00f6ren, zu unterscheiden. Um die Entwicklung sozialer Systeme beeinflussen zu k\u00f6nnen, muss eine Person an der systemspezifischen Kommunikation teilnehmen und ihren Beitrag in eine dem jeweiligen System entsprechende kommunikative Form bringen. Es ist also besonders wichtig, als Voraussetzung f\u00fcr diese Kommunikationskompetenz, Ausdrucksf\u00e4higkeit und Unterscheidungsverm\u00f6gen zu entwickeln. Im vorliegenden Zusammenhang kann diese Ausdrucksf\u00e4higkeit sprachliche, nonverbale oder k\u00fcnstlerische Aspekte umfassen.<\/p>\n<p>Korrespondierend zur initiativen Option und der Strategie der Diversifizierung sollte die emanzipative Perspektivit\u00e4t von Design den Menschen, an die es sich richtet, keine f\u00fcr alle gleicherma\u00dfen verbindlichen Angebote zur Erfahrungsselektion vorgeben. Vielmehr sollte sie zur Entwicklung selbst\u00e4ndiger Urteilskompetenz und einer aktiv mitbetriebenen Selektion von Erfahrungen anregen.<\/p>\n<h2>Beispiele f\u00fcr die emanzipative Perspektivit\u00e4t von Design<\/h2>\n<p>Die Idee der Universalisierung als einer fortschrittsbezogenen Erfahrungsselektion, an der, mit Hinblick auf die integrative Struktur und das kollektive Potential von Design m\u00f6glichst alle Menschen teilhaben sollten, verliert zunehmend an Faszination. Denn es ist fraglich geworden, ob die Universalisierung einer auf Fortschritt ausgerichteten Erfahrungsselektion f\u00fcr alle Menschen den Weg in eine positive Zukunft weisen kann. Viele Menschen bevorzugen die initiative Option und deren Umsetzung durch die Strategie der Diversifizierung und die emanzipative Perspektivit\u00e4t von Design. Auch im Bereich der Wissenschaft weicht die Vorstellung eines Erkenntnisprozesses, der einem optimalen Stand zustrebt, zunehmend dem Bild eines vieldimensionalen Raumes, in dem mehrere Entwicklungsrichtungen f\u00fcr Erkenntnisprozesse m\u00f6glich sind. Ebenso wird die an einem tradierten Selektionsprozess orientierte Fortf\u00fchrung von Erkenntnissen nicht mehr ausnahmslos positiv beurteilt, sondern in Bezug auf den Anwendungskontext bewertet. Der Aufwand zu Forschungen f\u00fcr die Nutzung von Atomenergie, die in der Tradition der modernen Wissenschaft steht, l\u00e4hmte die Hinwendung zu alternativen initiativen Optionen wie der Solarenergie, der Windkraft oder der Erdw\u00e4rme. Die letzten Optimierungen in der Schreibmaschinenindustrie sind r\u00fcckblickend als Fehlentwicklungen zu werten. Es wurde nicht rechtzeitig erkannt, dass der Computer die Funktion der Schreibmaschine viel besser als diese erf\u00fcllen kann.<\/p>\n<p>Im Hinblick auf die Erfahrungsselektion einer von der hierarchischen Struktur bestimmten Gesellschaft kann die Strategie der Diversifizierung zur Verh\u00e4rtung der Hierarchien eingesetzt werden, wenn die emanzipative Perspektivit\u00e4t von Design nur Menschen auf h\u00f6heren Ebenen der sozialen Hierarchie erreicht. So wird ein Gro\u00dfteil anspruchsvoller Zeitschriften oder kultureller Angebote wie Theater, Museen, Kleinkunst von Menschen mit h\u00f6herer Schulbildung genutzt. Es bildet sich ein Insiderkreis, der durch Diskussionen, k\u00fcnstlerische und wissenschaftliche Produktion zur Diversifizierung der Erfahrungsselektion beitr\u00e4gt. Dadurch vergr\u00f6\u00dfert sich der intellektuelle Abstand zu Au\u00dfenstehenden. Diese haben, selbst wenn Angebote im Sinne der emanzipativen Perspektivit\u00e4t von Design zur Verf\u00fcgung stehen, selten gen\u00fcgend Freizeit, um sich in einen Themenbereich einzuarbeiten. Daher k\u00f6nnen sie an gesellschaftlich relevanten Entscheidungsprozessen, die von dem Insiderkreis initiiert werden, kaum kompetent mitwirken.<\/p>\n<p>Wird die soziale Erfahrungsselektion schwerpunktm\u00e4\u00dfig von der polyvalenten Struktur und dem partizipativen Potential von Design bestimmt, so kann die emanzipative Perspektivit\u00e4t zu deren Diversifizierung beitragen. Mit der Entscheidung f\u00fcr die Gestaltung der Zukunft im Sinne der initiative Option ist der Abschied von der Annahme fundamentaler Wahrheiten verbunden. Denn zu einer prinzipiell demokratischen Grundeinstellung geh\u00f6rt das Bewusstsein um die schwierige Bestimmbarkeit fundamentaler Wahrheiten, die zudem davon abh\u00e4ngt, wer sie als solche definiert. Das Bem\u00fchen, allgemein verbindliche Wahrheiten zu finden, bildet traditionell einen Schwerpunkt der Philosophie. In der sozialen Lebenspraxis entscheidet jedoch selten die philosophische Argumentation dar\u00fcber, was als Wahrheit gelten soll, sondern die M\u00e4chtigeren. In Umkehrung des Bacon&#8217;schen Diktums \u00bbWissen ist Macht\u00ab, geben diejenigen, welche die Macht haben vor, was Wissen ist. Dies zu verhindern ist ein Anliegen der initiativen Option, welches in die emanzipative Perspektivit\u00e4t von Design einflie\u00dft. Daher wird die soziokulturelle Erfahrungsselektion als wandelbarer, vieldimensionaler, konstruktiver Prozess konzipiert. In diesem Sinne hat die \u00bbscientific community\u00ab die Aufgabe, einzelne Verzweigungen der Selektionsprozesse transparent darzulegen und vielen Menschen den Zugang zu erm\u00f6glichen, damit sie selber aktiv daran teilnehmen k\u00f6nnen und nicht zu Spielb\u00e4llen von Machtinteressen werden.<\/p>\n<p>Ein Weg, dem der poyvalenten Struktur entsprechenden partizipativen Potential von Design durch die emanzipative Perspektivit\u00e4t von Design eine langfristige Ausrichtung zu geben, besteht darin, \u00e4sthetische Elemente aus ihrem traditionellen Bedeutungszusammenhang der Vergangenheit zu l\u00f6sen und in aktuelle Kontexte zu stellen. Dadurch werden die Nutzer dazu angeregt, neue Bedeutungen zu entwickeln oder etwas \u00fcber die traditionelle Bedeutung zu erfahren, f\u00fcr die sie sich andernfalls nie interessiert h\u00e4tten. Der Filmregisseur Peter Greenaway f\u00fcgt in seinen Filmen, \u00e4sthetische Elemente aus dem pers\u00f6nlichen und dem kulturellen Ged\u00e4chtnis zu einer neuen Komposition zusammen. Der Kommunikationsdesigner Neville Brody bezieht Elemente der Bauhaustypografie in seine Konzeptionen ein. Im Industriedesign entwarf Alessandro Mendini eine T\u00fcrklinke, indem er den \u00e4lteren Entwurf von Gropius mit einem neuen Material verband. Er nannte diesen Entwurf \u00bbHommage an Gropius\u00ab und brachte Gropius dadurch wieder ins Bewusstsein. DJs verbinden Evergreens mit aktuellsten Rhythmen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die menschliche Gesellschaft ist nur idealisierend als Ganzes zu betrachten. 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