{"id":715,"date":"2015-12-18T21:00:14","date_gmt":"2015-12-18T20:00:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vrabek.de\/design\/?p=715"},"modified":"2015-12-18T21:35:20","modified_gmt":"2015-12-18T20:35:20","slug":"befaehigung-zum-kriterium-der-verbindlichkeit-bezueglich-der-kontextuellen-logik","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.vrabek.de\/design\/2015\/12\/18\/befaehigung-zum-kriterium-der-verbindlichkeit-bezueglich-der-kontextuellen-logik\/","title":{"rendered":"Bef\u00e4higung > Zum Kriterium der \u00bbVerbindlichkeit\u00ab bez\u00fcglich der kontextuellen Logik"},"content":{"rendered":"<p><svg xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" style=\"margin:0 0 -8px 0\" width=\"60px\" height=\"30px\"><image xlink:href=\"http:\/\/www.vrabek.de\/design\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/i_situativ.svg\" src=\"\" width=\"60px\" height=\"30px\" alt=\"situatives Potential\"  \/><\/svg> Im Unterschied zur Interaktion mit organischen Medien, deren Registrierung manchmal nur vom subjektiven Beobachterstandpunkt aus, im innerlich geschlossenen Raum erfolgt, beinhaltet das Interagieren mit kontextuellen Medien eine \u00d6ffnung nach au\u00dfen. Erst dadurch kann jedes Individuum aktiv seine Erfahrungen in den Lebenskontext einbringen. Der Prozess der Reaktivation bez\u00fcglich des Umgehens mit Medien, die einer kontextuellen Logik unterliegen, betrifft jedoch nicht nur den einzelnen, sondern viele Menschen und ver\u00e4ndert deren Lebenskontext. Daher geh\u00f6ren zum Subprozess der Bef\u00e4higung in Relation zur Interaktion mit kontextuellen Medien zwei bedingende Einflussfaktoren. Ein Faktor ist durch die individuelle F\u00e4higkeit zum Eingreifen in den Lebenskontext gegeben. Der zweite, in diesem Zusammenhang wesentlichere Faktor, betrifft die Pr\u00fcfung der Relevanz oder der Zustimmungsf\u00e4higkeit der kontextbezogenen Interaktion f\u00fcr die Mitbetroffenen. Die Ver\u00e4nderungen an Medien mit kontextueller Logik bringen n\u00e4mlich f\u00fcr alle, die ihr Handeln auf sie beziehen, neue Verbindlichkeiten mit sich. Dies erfordert von einem Akteur die Bereitschaft, f\u00fcr sein kontextbezogenes Handeln einzustehen, Verantwortung zu \u00fcbernehmen und seine Erfahrung somit nach dem Kriterium der Verbindlichkeit zu erfassen und zu bewerten. Die Hoffnung, eine Erfahrung k\u00f6nne auch f\u00fcr andere Menschen g\u00fcltig sein und somit im positiven Sinne Verbindlichkeit beanspruchen sowie die Unsicherheit, ob dieser Anspruch je einzul\u00f6sen ist, dr\u00fcckt ein Gedicht von Philipp Larkin aus:<\/p>\n<p>\u00bbUnd hast du einmal deinen Geist durchmessen, dann \u00fcberblickst du wie in einer Inventarliste, wor\u00fcber du verf\u00fcgst. Alles andere darf f\u00fcr dich nicht existieren. Und was ist damit gewonnen? Nur dies, dass wir uns wiederfinden in der zufallsblinden Pr\u00e4gung, die sich in allem zeigt, was wir tun; vielleicht, dass wir verstehen, woher sie stammt. Doch an dem gr\u00fcnen Abend, wenn f\u00fcr uns der Tod beginnt, nur zu bekennen, worin sie bestand, ist kaum zufriedenstellend, denn sie galt nur einmal, nur f\u00fcr einen Menschen, und der liegt im Sterben.\u00ab (\u00dcbersetzung aus dem Englischen von Christa Kr\u00fcger, in: Rorty, 1989. S. 52)<\/p>\n<p>Fraglich ist, wie die Hoffnung darauf, durch kontextbezogene Interaktion im Sinne des Kriteriums der Verbindlichkeit positive Akzente f\u00fcr die Erfahrung setzen zu k\u00f6nnen, jemals in gr\u00f6\u00dferem Umfang einzul\u00f6sen ist, ohne St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck den Raum m\u00f6glicher Bedeutungen auszuf\u00fcllen. Neu hinzukommenden Akteuren bliebe dann nur das Erkunden dieses fertigen, abgeschlossenen Bedeutungsraums \u00fcberlassen, ohne die M\u00f6glichkeit eigenst\u00e4ndig an den Prozessen der Aktivation, der Manifestation und der Reaktivation bez\u00fcglich Medien mit kontextueller Logik mitwirken zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Das situative Potential von Design kann mithelfen, dem Kriterium der Verbindlichkeit dadurch zu entsprechen, dass m\u00f6glichst jeder Mensch an der Gestaltung seines Lebenskontexts aktiv teilnehmen kann, wenigstens durch ein zustimmendes oder ablehnendes Votum. Dadurch w\u00e4re auch zu verhindern, dass der Einfluss auf die Erfahrung bez\u00fcglich Medien mit kontextueller Logik gro\u00dfteils von oben, aus Machtpositionen heraus vorgegeben wird und sich nicht von unten, aus der Lebensdynamik wachsend, entfalten kann.<\/p>\n<h2>Beispiel f\u00fcr das situative Potential von Design<\/h2>\n<p>Besonders die Architektur hat Schwierigkeiten damit, dem Kriterium der Verbindlichkeit im obigen Sinne durch das situative Potential von Design zu entsprechen. Im Wohnungsbau ist es durchaus \u00fcblich, in der Planungsphase die Interessen der zuk\u00fcnftigen Bewohner einzubeziehen. Es wird diskutiert, ob Gr\u00fcnanlagen, Spielfl\u00e4chen, Sportanlagen, Gemeinschaftsgeb\u00e4ude usw. gew\u00fcnscht werden. Dies ist hinsichtlich gr\u00f6\u00dferen Bauvorhaben schwierig wie die im Vorfeld kontroverse Diskussion um die \u00bbGl\u00e4serne Fabrik\u00ab, die der VW-Konzern in Dresden errichtet, zeigt. W\u00e4hrend den Planern eine Erlebniswelt rund um das Auto vorschwebt, die dem Autok\u00e4ufer ein touristisches Rundumerlebnis bieten soll, f\u00fchlen sich viele B\u00fcrger Dresdens \u00fcberrumpelt, da ihre Stadt in eine Richtung gepr\u00e4gt wird, die sie als dort Lebende nicht bef\u00fcrworten.<\/p>\n<p>Hinsichtlich dem Subprozess der Bef\u00e4higung und dem Kriterium der Verbindlichkeit muss besonders die Reaktivation und Nutzung von kontextuellen Medien im st\u00e4dtischen Raum gepr\u00fcft werden, denn hier sind besonders viele Menschen von Ver\u00e4nderungen in ihrem Lebenskontext betroffen. So ist es zwar zu begr\u00fc\u00dfen, wenn sich viele kleine Gesch\u00e4fte, Caf\u00e9s usw. in einer Stra\u00dfe ansiedeln, aber was f\u00fcr den Inhaber ungeachtet des finanziellen Erfolgs als Entfaltung seiner Erfahrungen im Sinne seiner Bef\u00e4higung erlebt wird, kann ein Bewohner als Verschandelung des Stadtbildes durch Werbeschilder, schrille Schaufenstergestaltung oder billigste Ausstattung empfinden. In einigen St\u00e4dten wurde deshalb bereits \u00fcber die Einf\u00fchrung von Strafgeb\u00fchren f\u00fcr ungepflegte, unpassende Bestuhlung im st\u00e4dtischen Raum verhandelt. Bez\u00fcglich diesem Problem kann das situative Potential von Design dahingehend einwirken, dass Firmenschilder zum Beispiel auf die Architektur einer Altstadt abgestimmt werden \u00ad inzwischen ist das auch bei McDonals-Filialen der Fall\u00ad, dass entsprechend passende Utensilien f\u00fcr die Ausgestaltung der Schaufenster entwickelt werden und dass die Bestuhlung der Stra\u00dfencaf\u00e9s deren Differenzierung zul\u00e4sst Herstellerfirmen f\u00fcr solche Produkte m\u00fcssen daher eine gr\u00f6\u00dfere Vielfalt anbieten.<\/p>\n<p>Insgesamt sollte das Public Design, von der Stra\u00dfenlaterne, \u00fcber die Parkbank zum Fahrradst\u00e4nder das Kriterium der Verbindlichkeit bez\u00fcglich der kontextuellen Medien st\u00e4rker beachten. Auch in diesem Bereich ist ein gr\u00f6\u00dferes, differenzierteres Angebot zu schaffen, um die B\u00fcrger an dem Prozess der ver\u00e4ndernden Nutzung und Reaktivation der Medien beteiligen zu k\u00f6nnen, die ihre Erfahrungsqualit\u00e4t in Relation zu kontextbezogenen Interaktionen mitbedingen. Ein Konzept f\u00fcr das Public Design einer Stadt darf keine zu einschr\u00e4nkenden Verbindlichkeiten vorgeben, sondern sollte einen Rahmen bieten, der zu Eigenaktivit\u00e4ten ermuntert und bef\u00e4higt. Zudem sollte das situative Potential von Design daraufhin angelegt sein, die Entwicklungsgeschichte der dort lebenden B\u00fcrger aufnehmen zu k\u00f6nnen und dadurch eine einzigartige Ausformung zuzulassen, die sich nicht in jeder anderen Stadt genauso wiederfindet. In diesem Sinne k\u00f6nnen \u00f6ffentliche Einrichtungen wie Stadtverwaltung, Krankenhaus, Kindergarten oder Schule markante Signale setzten. Um diese Bereiche von der Architektur \u00fcber Public Design bis zur Stadtzeitschrift einbinden zu k\u00f6nnen, ist die Entwicklung einer Corporate Identity f\u00fcr die Stadt sinnvoll (vgl. Kutschinski-Schuster, 1993).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Unterschied zur Interaktion mit organischen Medien, deren Registrierung manchmal nur vom subjektiven Beobachterstandpunkt aus, im innerlich geschlossenen Raum erfolgt, beinhaltet das Interagieren mit kontextuellen Medien eine \u00d6ffnung nach au\u00dfen. 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