{"id":709,"date":"2015-12-18T20:41:12","date_gmt":"2015-12-18T19:41:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vrabek.de\/design\/?p=709"},"modified":"2015-12-18T21:35:50","modified_gmt":"2015-12-18T20:35:50","slug":"verfuegung-zum-kriterium-der-erreichbarkeit-bezueglich-der-kontextuellen-logik","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.vrabek.de\/design\/2015\/12\/18\/verfuegung-zum-kriterium-der-erreichbarkeit-bezueglich-der-kontextuellen-logik\/","title":{"rendered":"Verf\u00fcgung > Zum Kriterium der \u00bbErreichbarkeit\u00ab bez\u00fcglich der kontextuellen Logik"},"content":{"rendered":"<p><svg xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" style=\"margin:0 0 -8px 0\" width=\"60px\" height=\"30px\"><image xlink:href=\"http:\/\/www.vrabek.de\/design\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/i_situativ.svg\" src=\"\" width=\"60px\" height=\"30px\" alt=\"situatives Potential\"  \/><\/svg> Bez\u00fcglich der Nutzung und Reaktivation von Medien mit kontextueller Logik l\u00e4sst sich als wesentlicher Einfluss auf die Erfahrung im Subprozess der Verf\u00fcgung das zum Erreichen des Mediums notwendige Bem\u00fchen hervorheben. So ist ein Theaterbesuch f\u00fcr Stadtbewohner relativ leicht ohne weite Anfahrten zu realisieren. Findet allerdings nur eine Vorstellung statt, ist langes Anstehen f\u00fcr die Karten oder den Einlass n\u00f6tig. Als Bedingungen f\u00fcr die Erfahrung im Subprozess der Verf\u00fcgung werden daher besonders r\u00e4umliche und zeitliche Distanzen empfunden. Die Qualit\u00e4t dieser Empfindung wird durch das Kriterium der Erreichbarkeit erfasst.<\/p>\n<p>Hierbei sind zwei Akzente hervorzuheben. Erstens wirkt es positiv auf die Erfahrung, wenn m\u00f6glichst viele kontextuelle Medien im Nahfeld zur Verf\u00fcgung bereitgehalten werden und im Prinzip jederzeit erreichbar sind. Dieses Gef\u00fchl der Erreichbarkeit f\u00fcr eine gr\u00f6\u00dfere Zahl von Menschen in ihrem Lebenskontext zu realisieren, ist eine wesentliche Aufgabe f\u00fcr das situative Potential von Design. Zweitens kann komplement\u00e4r zu der Erfahrung der Erreichbarkeit bez\u00fcglich den kontextuellen Medien die Erreichbarkeit der eigenen Person seitens des Lebensumfelds miterfasst werden. Diese doppelte Problematik des Kriteriums der Erreichbarkeit und des darauf abgestimmten situativen Potentials von Design behandeln die unten angef\u00fchrten Beispiele.<\/p>\n<p>Ein weiterer Akzent zu diesem Kriterium, der kurz angef\u00fchrt werden soll, betrifft das Erleben von allt\u00e4glichem als dem jederzeit Erreichbaren und dem Besonderen als demjenigen, dessen Erreichbarkeit M\u00fche erfordert. Beispielsweise geh\u00f6rt es zum Marketingkonzept von Ikea, auf der gr\u00fcnen Wiese zu bauen, weil die Kunden nach der langen Anfahrt und den \u00fcberwundenen M\u00fchen eher bereit sind, einen Kauf zu t\u00e4tigen und nicht erfolglos zur\u00fcckfahren wollen. Unter diesem Akzent kann das situative Potential von Design dem Kriterium der Erreichbarkeit dadurch entsprechen, dass das endlich erreichte und zur Verf\u00fcgung stehende kontextuelle Medium dem Aufwand gerecht wird. Wie schwer es ist, solche Erwartungen einzul\u00f6sen, zeigt der Einbruch des Musical-Unternehmens Stella. Einige aufwendige Produktionen konnten nicht gen\u00fcgend Besucher anlocken, um ihren Betrieb effizient fortsetzen zu k\u00f6nnen. Das Konzept, allein schon durch die Anreise per Bus oder Bahn mit Familie, Freunden oder Vereinen mit beizutragen, den Musicalbesuch zu einem besonderen Ereignis werden zu lassen, ging nicht in allen F\u00e4llen auf.<\/p>\n<h2>Beispiel f\u00fcr das situative Potential von Design<\/h2>\n<p>Auch im Bereich der visuellen Kommunikation ist das Kriterium der Erreichbarkeit durch das situative Potential von Design zu beachten. So sollten Hinweisschilder innerhalb Ausstellungen schon aus einer gr\u00f6\u00dferen Entfernung lesbar sein, damit ein Besucher je nach Wunsch die Durchgangsrichtung ver\u00e4ndern kann. Sind die Schilder erst zu lesen, wenn der Besucher direkt vor ihnen steht, ist er gezwungen, sehr nahe auf sie zuzugehen. Dadurch verliert er leicht die bereits selbst gewonnene Orientierung im Raum und folgt wom\u00f6glich etwas irritiert den Angaben des Schildes. In dieser Hinsicht f\u00e4llt das von Neville Brody entworfene Leitsystem der Kunsthalle der BRD in Bonn negativ auf.<\/p>\n<p>Das Kriterium der Erreichbarkeit nimmt in Konzepten zum Wohnen in der Zukunft einen hohen Stellenwert ein. Riesige, hoch gebaute Wohnkomplexe k\u00f6nnten dazu beitragen, die unerw\u00fcnschte Zersiedlung der Landschaft zu stoppen und Menschen die Vorteile eines Lebenskontextes zu bieten, der alle wichtigen Medien zur Nutzung und Reaktivation bei Bedarf zur Verf\u00fcgung h\u00e4lt. Wohnen und Arbeiten, Freizeitgestaltung, medizinische Versorgung, das Einkaufen und die Ausbildung, alle diese menschlichen Lebensbereiche sollen nach den Pl\u00e4nen japanischer Architekten in einem nach heutigen Ma\u00dfst\u00e4ben \u00fcberdimensionalem Hochhaus integriert werden. Binnen etwa f\u00fcnf Minuten w\u00e4re jeder Ort in dem Haus mittels Fahrst\u00fchlen, Rolltreppen oder Laufb\u00e4ndern zu erreichen. Die Bewohner m\u00fcssten im Grunde diesen Lebenskontext nicht mehr verlassen.<\/p>\n<p>Das Pendant zu diesem Gedanken, der dem derzeit favorisierten westlichen Lebensgef\u00fchl, zu dem untrennbar das Reisen geh\u00f6rt, nicht entspricht, ist die Vorstellung von einer freien, ortsungebundenen Beweglichkeit, einem modernen Nomadentum. Aufgrund der Telekommunikationstechnologie ist es im Prinzip m\u00f6glich, jeden Ort auf der Welt zu jeder Zeit zu erreichen, ohne selbst ortsgebunden zu sein. Denn durch die mobile Telekommunikation schrumpfen die Bedingungen von Raum und Zeit hinsichtlich der Reaktivation kontextueller Medien ebenso, wie umgekehrt auch bez\u00fcglich der Erreichbarkeit einer Person. Inzwischen kann die permanente Erreichbarkeit bereits durch die Vergabe von personenbezogenen Nummern auf Lebenszeit garantiert werden. Dies hat auch f\u00fcr das Service-Design Konsequenzen. Zur Zeit ist es noch \u00fcblich, eine Hausbank, ein \u00c4rztezentrum und wenigstens Gesch\u00e4fte zur Nahrungsmittelversorgung am Wohnort zu haben, die Gesch\u00e4ftspost am Schalter abzuliefern, den Handwerkbetrieb aus der Nachbarschaft mit Reparaturen zu beauftragen, t\u00e4glich zur Arbeit zu fahren oder in die Schule zu gehen usw. All dieses k\u00f6nnte in Zukunft v\u00f6llig anders gestaltet werden, weil die mobile Internetechnologie neue Serviceleistungen erm\u00f6glicht und alte ersetzt oder verdr\u00e4ngt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bez\u00fcglich der Nutzung und Reaktivation von Medien mit kontextueller Logik l\u00e4sst sich als wesentlicher Einfluss auf die Erfahrung im Subprozess der Verf\u00fcgung das zum Erreichen des Mediums notwendige Bem\u00fchen hervorheben. 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