{"id":445,"date":"2015-12-16T21:42:05","date_gmt":"2015-12-16T20:42:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vrabek.de\/design\/?p=445"},"modified":"2018-05-05T15:00:30","modified_gmt":"2018-05-05T13:00:30","slug":"zum-kriterium-der-experimentierbarkeit-bezueglich-der-standardisierten-logik","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.vrabek.de\/design\/2015\/12\/16\/zum-kriterium-der-experimentierbarkeit-bezueglich-der-standardisierten-logik\/","title":{"rendered":"Erzeugung > Zum Kriterium der \u00bbExperimentierbarkeit\u00ab bez\u00fcglich der standardisierten Logik"},"content":{"rendered":"<p><svg xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" style=\"margin:0 0 -8px 0\" width=\"60px\" height=\"30px\"><image xlink:href=\"http:\/\/www.vrabek.de\/design\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/i_innovativ-1.svg\" src=\"\" width=\"60px\" height=\"30px\" alt=\"innovatives Potential\"  \/><\/svg> Im Vergleich zu den bisher untersuchten, Medien ver\u00e4ndernden Aktivit\u00e4ten, ist das Experimentieren am zielgerichtetsten. Es setzt nicht bei Null an, sondern kombiniert verschiedene Medien systematisch miteinander, um nachvollziehbare Resultate zu erhalten und neue Standards setzten zu k\u00f6nnen. Spielen oder Erproben sind T\u00e4tigkeit, deren Zweck eher im Tun selbst liegt und deren Resultate f\u00fcr die Erfahrung nicht unbedingt \u00fcber die momentane Aktivit\u00e4t hinaus stabil sein m\u00fcssen. Demgegen\u00fcber ist das Resultat eines experimentierenden Prozesses nicht nur auf leichte Nachvollziehbarkeit seiner Entstehung, sondern bereits auf die Festlegung neuer standardisierter Logiken f\u00fcr nachfolgende Interaktionen angelegt.<\/p>\n<p>Patrick S\u00fcskinds Roman \u00bbDas Parfum\u00ab von 1985 f\u00fchrt dem Leser den Prozess zur Erzeugung von Medien in aufbauender Reihenfolge vom Spielen \u00fcber das Erproben zum Experimentieren, beziehungsweise zum Designen, anhand seiner Hauptfigur Grenouille, die sich durch einen besonders ausgepr\u00e4gten Geruchssinn auszeichnet, vor Augen. Zun\u00e4chst sammelt und ver\u00e4ndert Grenouille spielerisch Ger\u00fcche im Ged\u00e4chtnis, dann erprobt er deren Herstellung durch Mischen von vorhandenen Essenzen, schlie\u00dflich experimentiert er mit den Duftstandards, entwickelt gezielt bestimmte Ausgangsessenzen und erzeugt ganz neue D\u00fcfte. Grenouille ist nicht damit zufrieden, etwas nachgemacht zu haben, um damit spielerisch oder erprobend seine durch organische oder kontextuelle Medien gegebene M\u00f6glichkeiten zu ver\u00e4ndern. Er will \u00fcber das Ver\u00e4ndern innerhalb fester Rahmenbedingungen hinausgehen und einen neuen un\u00fcberbietbaren Duftstandard schaffen. Wie in dieser Geschichte entstehen auch in anderen Bereichen, in denen das Kriterium der Experimentierbarkeit zum wichtigsten Inhalt der Erfahrung \u00fcberhaupt wird, durch den Drang nach Grenz\u00fcberschreitungen immer auch Konflikte. Seien diese durch die Beschr\u00e4nktheit der eigenen F\u00e4higkeiten, mangelnde Ressourcen oder soziale Restriktionen verursacht. Dies gilt sowohl im pers\u00f6nlichen Lebensbereich, als auch in \u00f6ffentlichen Bereichen wie beispielsweise in der wissenschaftlichen Forschung. Die Gefahr von Konflikten ist insbesondere dann gegeben, wenn sich das \u00e4sthetische Kriterium der Experimentierbarkeit mit der imaginativen Qualit\u00e4t (vgl. Kapitel 2.2.3) und der explorativen Tendenz (vgl. Kapitel 3.2.3) verkoppelt. Diese Gefahr ist zu beachten, wenn Designer ihrerseits ihre T\u00e4tigkeit prim\u00e4r als eine experimentelle verstehen und in dem Drang nach Neuem alle anderen Kriterien der \u00e4sthetischen Erfahrung vernachl\u00e4ssigen.<\/p>\n<p>Das innovative Potential von Design kann dem Kriterium der Experimentierbarkeit dadurch entsprechen, dass es beispielsweise seinerseits durch experimentelles Kombinieren mit bekannten Standards neue Standards erzeugt und in der Folge die Nutzer zu experimentellen oder auch erprobenden Interaktionen und Erfahrungen anregt. Die experimentelle Nutzung bleibt meist den Fachleuten vorbehalten.<\/p>\n<h2>Beispiel f\u00fcr das innovative Potential von Design<\/h2>\n<p>In der Architektur galt die Verwendung von gro\u00dfen Glasfl\u00e4chen bis zur Anwendung experimenteller Messmethoden und neuer Fertigungsverfahren als besonders energieverschwendend. Inzwischen wurden neue Glasarten entwickelt, die eine bessere Energiebilanz als andere Baustoffe aufweisen und dadurch zur Reduktion des W\u00e4rmehaushalts beitragen. Dadurch wird eine Glasarchitektur m\u00f6glich, die ihren Nutzern und Bewohnern innovative Erfahrungen f\u00fcr ihre Interaktion mit der Welt erschlie\u00dft und Impulse zum weiteren Experimentieren gibt. So entwickelte der Architekt Rolf Driesch ein gl\u00e4sernes Haus, das mit Solarenergie versorgt wird, auf einem drehbaren Sockel gelagert ist und sich nach dem Sonnenstand bewegt.<\/p>\n<p>Michael Thonet (1796\u00ad1871) ging vom Standard der Furnierformtechnik aus, experimentierte mit massivem Holz und erfand die Bugholztechnik. Deren innovatives Potential kam nicht nur durch neue Formen und Konstruktionen f\u00fcr M\u00f6bel, sondern durch neue Vermarktungsstrukturen zur Entfaltung. Diese wurden insbesondere bei dem Stuhl \u00bbNo. 14\u00bb durch den platzsparenden Transport und die leichte Montage m\u00f6glich. Der Designer Charles Eames (1907\u00ad1978) experimentierte mit gebogenem Sperrholz und kombinierte deren Standards mit dem neuen Material der Kunststofflaminate. Das innovative Potential der bis dahin unbekannten Sitzschalen lag in der Leichtigkeit und Stapelbarkeit der M\u00f6bel, wodurch auch innovative Umgangsweisen mit dem Mobiliar angeregt wurden.<\/p>\n<p>Durch experimentelles Kombinieren von bekannten und neuen Medien oder Technologien auf der Basis der standardisierten Logik entsteht neues. Dieses muss das Alte nicht zwangsl\u00e4ufig verdr\u00e4ngen. Trickfilme werden weiterhin durch Nutzung bew\u00e4hrter Techniken hergestellt, aber der erste komplett durch Computeranimation entstandene Film \u00bbToy Story\u00ab von John Lasseter erz\u00e4hlt mit innovativen technischen Mitteln eine p\u00e4dagogisch wertvolle und unterhaltsame Kindergeschichte. Er schafft innovative \u00e4sthetische Erfahrungen auch deshalb, weil er sich zwar auf die standardisierte Logik des gezeichneten Trickfilms bezieht, dar\u00fcber hinaus aber auch neue Effekte und Tricks einsetzt. Ankn\u00fcpfend an die Ergebnisse Neville Brodys, der auf experimentelle Weise bekannte Darstellungsstandards wie Collage oder Montage auf die Typografie \u00fcbertrug und seine einzigartigen handgeschnittenen Schriften erfand, erm\u00f6glichte die Computertechnologie innovative typographische Experimente mit digitalisierten Handschriften.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Vergleich zu den bisher untersuchten, Medien ver\u00e4ndernden Aktivit\u00e4ten, ist das Experimentieren am zielgerichtetsten. Es setzt nicht bei Null an, sondern kombiniert verschiedene Medien systematisch miteinander, um nachvollziehbare Resultate zu erhalten und neue Standards setzten zu k\u00f6nnen. 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