{"id":439,"date":"2015-12-16T21:34:13","date_gmt":"2015-12-16T20:34:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vrabek.de\/design\/?p=439"},"modified":"2015-12-18T15:38:55","modified_gmt":"2015-12-18T14:38:55","slug":"zum-kriterium-der-erspielbarkeit-bezueglich-der-organischen-logik","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.vrabek.de\/design\/2015\/12\/16\/zum-kriterium-der-erspielbarkeit-bezueglich-der-organischen-logik\/","title":{"rendered":"Erzeugung > Zum Kriterium der \u00bbErspielbarkeit\u00ab bez\u00fcglich der organischen Logik"},"content":{"rendered":"<p><svg xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" style=\"margin:0 0 -8px 0\" width=\"60px\" height=\"30px\"><image xlink:href=\"http:\/\/www.vrabek.de\/design\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/i_adaptiv.svg\" src=\"\" width=\"60px\" height=\"30px\" alt=\"adaptives Potential\"  \/><\/svg> Die elementarste kreative T\u00e4tigkeit ist das Spiel mit dem eigenen K\u00f6rper. Jedes Kleinkind entdeckt und erzeugt spielerisch f\u00fcr sich die Grenzen seines k\u00f6rperlichen Erfahrungsbereiches. Die Logik des H\u00f6rens als einem sinnlichen Medium wird durch die spielerische Produktion von Ger\u00e4uschen ob mit der eigenen Stimme oder k\u00f6rperlichen Interaktionen mit der Welt wie Klopfen, Schlagen, Kratzen usw. f\u00fcr die eigene Erfahrung erzeugt. Dementsprechend beginnt die spielerische Auseinandersetzung mit dem Singen und Sprechen durch unstrukturiertes Geplapper und melodischen Wiederholungen. Die Logik des Sehens wird durch Zukneifen eines oder beider Augen, durch Verstecken usw. spielerisch zum Teil der Erfahrung. Die Logik des Schmeckens entsteht im spielerischen oralen Abtasten unterschiedlichster Dinge. Vor dem Erfassen der Logik des Riechens werden Dinge in die Nase gesteckt. Die Logik des Mediums der eigenen Haut als K\u00f6rpergrenze wird spielerisch erf\u00fchlt, indem sich Kinder selbst bei\u00dfen, zwicken oder die Haare zupfen. Kinder die von Geburt an durch eine Krankheit schmerzunempfindlich sind, erfahren diese elementare organische Logik als mediale Grenze nicht und verst\u00fcmmeln sich im Spiel mit dem eigenen K\u00f6rper. Die Bewegungserfahrung bildet sich unter anderem durch Zappeln oder rhythmisches Schaukeln.<\/p>\n<p>Wahrscheinlich ist diese Erfahrung der K\u00f6rpergrenzen durch die Erspielbarkeit der Medien, die durch eine organische Logik gepr\u00e4gt sind, auch f\u00fcr die geistige Entwicklung sehr wichtig. Dies belegt der Vergleich von gesunden mit autistischen Kindern. Autistische Kinder, deren Krankheit auf einem genetischen Defekt beruht, fallen auf, weil sie beispielsweise jeden z\u00e4rtlichen K\u00f6rperkontakt ablehnen. Ihnen gelingt es nicht, ihre K\u00f6rpergrenzen durch spielerische Abgrenzung verschiedener Medien mit organischer Logik zu entdecken oder zu erzeugen. So wiederholen sie bestimmte T\u00e4tigkeiten wie Dinge nach Farben zu sortieren ohne Ver\u00e4nderung immer wieder. Genausowenig wie ihnen die Erspielbarkeit der sinnlichen Medien oder deren Gewichtung und angenehme Gestaltung gelingt, k\u00f6nnen sie ihre geistigen Vorstellungen abgrenzen und ordnen. Eine These zur Erkl\u00e4rung dieses Ph\u00e4nomens besagt, dass Autisten kein Bewusstsein ihrer k\u00f6rperlichen und geistigen Abgegrenztheit entwickeln und deshalb auch unf\u00e4hig sind, sich vorzustellen, dass andere Menschen etwas denken k\u00f6nnten, was von ihren eigenen momentanen Denkinhalten verschieden ist. Dadurch sind Autisten unf\u00e4hig normal zu kommunizieren. Das unvorhersehbare Verhalten anderer Menschen macht sie unsicher.<\/p>\n<p>Das adaptive Potential von Design unterst\u00fctzt die Erspielbarkeit der Medien mit organischer Organisationslogik, indem unterschiedliches Spielzeug f\u00fcr Kinder entwickelt wird, das insbesondere das Kriterium der k\u00f6rperlichen Erspielbarkeit im Sinne einer spielerischen Abgrenzung der organischen Medien f\u00f6rdert.<\/p>\n<h2>Beispiel f\u00fcr das adaptive Potential von Design<\/h2>\n<p>Da die spielerische Grenzfindung und Gestaltungsvariation bez\u00fcglich den Medien mit organischer Logik von der Eigenaktivit\u00e4t der Person abh\u00e4ngt, sollten von au\u00dfen keine zielorientierten, dr\u00e4ngenden Impulse gegeben werden. Im Vordergrund sollte vielmehr die Anregung der pers\u00f6nlichen Entfaltung durch vielf\u00e4ltige Angebote und reichlich Zeit stehen, nicht das Aufbauen von K\u00f6rpererfahrungen nach vorgegebenen, engen Richtlinien. So erscheint es in diesem Zusammenhang wenig sinnvoll, bereits zweij\u00e4hrige behinderte Kinder an den einseitigen Bewegungsablauf eines Rollstuhls gew\u00f6hnen zu wollen. Jaron Lanier, der Erfinder von Cyberspace-Brillen, arbeitet mit k\u00f6rperlich behinderten Kindern, um ihnen im Cyberspace die spielerische Abgrenzung und Ausweitung ihrer k\u00f6rperlichen M\u00f6glichkeiten erfahrbar zu machen, die sie wegen ihrer Behinderung in der gegebenen physikalischen Welt nicht aus eigener Kraft zustande bringen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Das adaptive Potential von Design, das spielerischen Freiraum f\u00fcr die individuelle Abgrenzung von K\u00f6rpererfahrungen bietet, ist auch f\u00fcr Erwachsene wichtig. Dies zeigt der Misserfolg der ersten ergonomischen Arbeitsm\u00f6bel, die den K\u00f6rper in eine optimale Sitzhaltung pressen wollten. Einige Entwicklungsfirmen f\u00fcr Software haben ihre B\u00fcroeinrichtungen aufgelockert und viele zum Spiel anregende Gegenst\u00e4nde einbezogen. Durch das Spielen in Denkpausen, wird nicht nur der vom Sitzen erstarrte R\u00fccken, sondern auch der Kopf wieder freier und die Arbeit geht danach besser voran.<\/p>\n<p>Besonders wichtig ist das Kriterium der Erspielbarkeit bez\u00fcglich der organischen Logik auf dem Gebiet der Sexualit\u00e4t als Medium f\u00fcr pers\u00f6nliches K\u00f6rpergef\u00fchl und f\u00fcr sozialen Kontakt. Es f\u00f6rdert die sexuelle Erfahrung oder das Ausleben von Phantasien und tr\u00e4gt somit dazu bei, starre Tabus aufzubrechen, die manche Menschen zur belastenden Verdr\u00e4ngung ihrer W\u00fcnsche oder zum ernsthaften \u00dcberschreiten der sozialen Konventionen zwingen. Die teilweise auch das Denken vereinnahmende Kraft der Sexualit\u00e4t als organisches Medium l\u00e4sst sich durch spielerischen, freien Umgang zum beherrschbaren, erotischen Erleben gestalten. Die entsprechende Gestaltung von erotischen Hilfsmitteln, Werbekampagnen oder der Pr\u00e4sentation in Gesch\u00e4ften sollte zu diesem spielerischen Erkunden anregen und die Thematik aus ihrer Schmuddelecke herausholen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die elementarste kreative T\u00e4tigkeit ist das Spiel mit dem eigenen K\u00f6rper. Jedes Kleinkind entdeckt und erzeugt spielerisch f\u00fcr sich die Grenzen seines k\u00f6rperlichen Erfahrungsbereiches. 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