{"id":1092,"date":"2020-03-17T21:30:00","date_gmt":"2020-03-17T20:30:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vrabek.de\/design\/?p=1092"},"modified":"2020-12-29T14:29:15","modified_gmt":"2020-12-29T13:29:15","slug":"zum-kriterium-der-direktheit-bezueglich-der-somatischen-tendenz","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.vrabek.de\/design\/2020\/03\/17\/zum-kriterium-der-direktheit-bezueglich-der-somatischen-tendenz\/","title":{"rendered":"Zum Kriterium der \u00bbDirektheit\u00ab bez\u00fcglich der somatischen Tendenz"},"content":{"rendered":"<p><svg xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" style=\"margin:0 8px -8px 0; float: left\" width=\"180px\" height=\"90px\"><image xlink:href=\"http:\/\/www.vrabek.de\/design\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/i3_sensitiv.svg\" src=\"\" width=\"180px\" height=\"90px\" alt=\"sensitives Potential\"  \/><\/svg> W\u00e4hrend einer Sightseeing-Tour in einer fremden Stadt ergreifen Touristen h\u00e4ufig unmittelbar jede Gelegenheit, die sich zum kurzfristigen Hinsetzen und Ausruhen des K\u00f6rpers bietet. Dar\u00fcber, ob sich ein Gel\u00e4nder, ein Stein, eine Treppe, ein Brunnenrand usw. zum bequemen Sitzen eignet, wird nicht lange kognitioniert. Die Ankn\u00fcpfung scheint direkt m\u00f6glich zu sein. Aufgrund solcher Beobachtungen entwickelte James J. Gibson eine Theorie der \u00bbdirekten Wahrnehmung\u00ab, die er in seinem Hauptwerk \u00bb<em>Die Wahrnehmung der visuellen Welt<\/em>\u00ab, 1973, darlegte. Wie die konstuktivistische Wahrnehmungstheorie lehnt auch Gibson Repr\u00e4sentationsmodelle, von denen die Kognitivisten ausgehen, ab. Seine Begr\u00fcndung hierf\u00fcr basiert allerdings kontr\u00e4r zur Annahme der Konstruktivisten, dass Wirklichkeit eine vom menschlichen Organismus abh\u00e4ngige Konstruktion ist, auf der These, der Organismus sei im Lauf der Evolution f\u00fcr die unmittelbare Aufnahme von Informationen aus der Umwelt optimiert worden. Dieser Ansatz wurde f\u00fcr die vorliegende Untersuchung bereits verworfen (<a href=\"\/design\/1-design-und-aesthetische-erfahrung-innerhalb-der-wirklichkeitsbildenden-basis-von-erfahrung\/1-3-korrespondenz-von-design-und-aesthetischer-erfahrung-relativ-zur-wirklichkeitsbildenden-orientierung-von-erfahrung\/\">vgl. Kapitel 1.3<\/a>).<\/p>\n<p>Interessant bleibt die Beobachtung Gibsons, dass Menschen hinsichtlich der somatischen Tendenz mit gro\u00dfer Direktheit Anschluss zu dem vorgefundenen Reizmaterial herstellen k\u00f6nnen. Gibson beschreibt dies mit dem Begriff der Affordanz, des Aufforderungscharakters eines Objekts. Zum Werfen werden Dinge genommen, die greifbar sind, zum Anlehnen werden Dinge gesucht, die stabil sind, zum Streicheln werden Dinge ber\u00fchrt, die haptisch reizvoll sind usw. Durch diese Beobachtungen erlangte Gibsons Ansatz in der Designtheorie Bedeutung, denn er stellt die Wichtigkeit der speziellen Beschaffenheit, des Designs von Dingen heraus. Was hei\u00dft es aber zu sagen, dass ein Stuhl zum Sitzen, ein T\u00fcrgriff zum Greifen, ein roter Knopf zum Dr\u00fccken, eine Treppe zum Hinaufgehen usw. je besser auffordert, desto direkter sein Design wahrnehmbar ist? Design wird dann \u00fcber eine instruktive Funktion definiert, die dazu beitr\u00e4gt, das selbstbestimmte Verhalten eines Individuums \u00e4hnlich dem Reiz-Reaktions-Ansatz auszuklammern oder abzuwerten.<\/p>\n<p>Trotz dieser Kritik an der designtheoretischen Adaption von Gibsons Ansatz, ist Direktheit als eine Art unmittelbarer Anschlie\u00dfbarkeit in der Interaktion mit Objekten der Umwelt bez\u00fcglich der somatischen Tendenz ein wichtiges Kriterum f\u00fcr das sensitive Potential von Design. Dies gilt insbesondere in Situationen, die schnelles Handeln erfordern und hinsichtlich allen T\u00e4tigkeiten, welche vom einzelnen nur selten ausge\u00fcbt werden und f\u00fcr die deshalb keine k\u00f6rperliche Routine vorausgesetzt werden kann. Die Art und Weise des entsprechenden sensitiven Potentials ist durch m\u00f6glichst eindeutig interpretierbare, direkte Aktivierungsm\u00f6glichkeiten zu charakterisieren, um zu betonen, dass letztlich das Individuum handelnder Akteur bleibt und nicht durch den Begriff des Aufforderungscharakters.<\/p>\n<h2>Beispiel f\u00fcr das sensitive Potential von Design<\/h2>\n<p>Auto oder einem Feuerl\u00f6scher sollte m\u00f6glichst direkt erfassbar und ausf\u00fchrbar sein. Durch dem sensitiven Potential von Design entsprechende Gestaltung der Bedienelemente, seien dies Druckkn\u00f6pfe, Haltegriffe oder Dosenverschl\u00fcsse, muss eine m\u00f6glichst unmittelbare kognitive Anschlie\u00dfbarkeit und eine problemlose Handhabung erreicht werden. Bewegliche Teile m\u00fcssen als solche zu erkennen sein. Die Art der Bedienung wie Dr\u00fccken oder Ziehen sowie eine Vorstellung des Kraftaufwands sollte direkt in das Agieren einflie\u00dfen k\u00f6nnen. Manchmal ist es dagegen notwendig, die Direktheit als Kriterium des Subprozesses der Ankn\u00fcpfung zu erschweren, bzw. Aktivierungsm\u00f6glichkeiten zu verstecken wie bei der Gestaltung von Schutzeinrichtungen \u00ad Drehverschl\u00fcsse, Steckdosenabdeckungen, TV-Sicherungen \u00ad f\u00fcr Kinder.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>W\u00e4hrend einer Sightseeing-Tour in einer fremden Stadt ergreifen Touristen h\u00e4ufig unmittelbar jede Gelegenheit, die sich zum kurzfristigen Hinsetzen und Ausruhen des K\u00f6rpers bietet. 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