{"id":412,"date":"2015-12-16T18:40:00","date_gmt":"2015-12-16T17:40:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vrabek.de\/design\/?page_id=412"},"modified":"2020-12-29T15:18:16","modified_gmt":"2020-12-29T14:18:16","slug":"6-3-3-strategien-zum-hauptprozess-der-sozialen-selektion-von-erfahrung","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.vrabek.de\/design\/6-antizipierendes\/6-3-3-strategien-zum-hauptprozess-der-sozialen-selektion-von-erfahrung\/","title":{"rendered":"6.3.3 Strategien zum Hauptprozess der sozialen Selektion von Erfahrung"},"content":{"rendered":"<p>W\u00e4hrend sich die subliminalen Tendenzen haupts\u00e4chlich auf die pers\u00f6nliche Erfahrungsakkumulation auswirken, l\u00e4sst sich der ma\u00dfgebende Einfluss der sozialen Strukturen auf die \u00e4sthetische Erfahrung mit der Erfahrungsselektion charakterisieren. Der individuellen Ged\u00e4chtniskonstruktion durch die pers\u00f6nliche Erfahrungsakkumulation steht als Pendant die gemeinsame Konstruktion eines kulturellen Ged\u00e4chtnisses (<a href=\"\/design\/literaturverzeichnis\/\">vgl. Assmann, 1992, 1992<\/a>) durch die langfristige Erfahrungsselektion der sozialen Strukturen zur Seite. Dieses umfasst nicht etwa die Menge aller pers\u00f6nlichen Erfahrungen, sondern enth\u00e4lt nur solche Erfahrungen, die im Lauf der sozialen Wandlungsprozesse nicht vergessen wurden. Dadurch findet eine einschneidende Selektion von Erfahrungen statt.<\/p>\n<p>Wie die individuelle Erfahrungsakkumulation je nach bevorzugter Perspektivit\u00e4t von Design Anregungen zur Vertiefung oder zur Erweiterung erf\u00e4hrt, so ist durch Design auch die Richtung der sozialen Selektionsprozesse mit zu beeinflussen. Diese Einflussnahme darf nicht bereits im Vorfeld auf h\u00f6herer Ebene ohne R\u00fccksicht auf die speziellen Interessen und Bed\u00fcrfnisse der davon betroffenen Individuen erfolgen.<\/p>\n<p>Soziale Selektion vollzieht sich in Zeitspannen, welche die individuelle Lebenszeit \u00fcberschreiten k\u00f6nnen. Zum Verst\u00e4ndnis, weshalb die je gegenw\u00e4rtige soziokulturelle Wirklichkeitskonstruktion sich so und nicht anders darstellt, hilft ein Blick in die Vergangenheit. Deshalb besteht f\u00fcr Walter Benjamin die Hauptaufgabe der historischen Wissenschaft darin, durch Betrachtung der Vergangenheit diejenigen Erscheinungen herauszufiltern, in welchen die Gegenwart bereits sichtbar wird (<a href=\"\/design\/literaturverzeichnis\/\">vgl. Sandk\u00fchler, 1991, S. 14<\/a>). Mittels dieser Vorgehensweise kann es gelingen, markante Entwicklungslinien herauszustellen. Sie kann aber auch dazu beitragen, dass das aus der jeweils gegenw\u00e4rtigen Sicht Wichtige bewahrt und der Rest dem Vergessen preisgegeben wird. Demgegen\u00fcber vertritt der Historismus den Anspruch, jede Erfahrung, die soziokulturelle Wichtigkeit erlangte zu bewahren (<a href=\"\/design\/literaturverzeichnis\/\">vgl. Seiffert, 1991<\/a>). Denn erstens werden aus dem je aktuellen Erkenntnisstand wiederum neue Einsichten aufgrund von historisch belegten Erfahrungen m\u00f6glich, zweitens d\u00fcrfen Menschen aus vergangenen Epochen oder \u00bbprimitiven\u00ab Kulturen nicht instrumentalisierend hinsichtlich dem Zweck oder Wert ihrer kulturellen Produkte f\u00fcr die jeweils aktuelle Zeit eingesch\u00e4tzt werden.<\/p>\n<p>Es ist aussichtslos, ohne Vorauswahl alle Erfahrungsanl\u00e4sse bewahren zu wollen, weil dann s\u00e4mtliche Energien einer Gesellschaft an die Pflege ihrer Traditionspflege gebunden und f\u00fcr antizipierende Aktivit\u00e4ten blockiert w\u00e4ren. Doch der offene die W\u00fcrde jedes Lebens respektierende, von Verwertungsinteressen absehende Blick auf die Vergangenheit bringt das unendliche Potential f\u00fcr \u00e4sthetische Erfahrungen zum Vorschein, welches die Historie in sich birgt. Die Wertsch\u00e4tzung einer vergangenen, im Zuge der soziokulturellen Erfahrungsselektion auf der Strecke gebliebenen Lebensweise und der damit verbundenen Erfahrung muss nicht bedeuten, sie wiederholen zu wollen oder ihre Fehler nicht zu erkennen. Wichtig ist die Ein\u00fcbung einer unvoreingenommenen Beobachtungsweise, die sich von der Verhaftung an pers\u00f6nliche Gewohnheiten oder der Selektion durch soziale Konventionen und Normen l\u00f6st. Dann erscheint das kulturelle Ged\u00e4chtnis nicht als totes Archiv oder als linear fortschreitender Mechanismus, aus dem die Gegenwart mit zwanghafter Folgerichtigkeit entsteht, sondern als Fundus f\u00fcr vielf\u00e4ltige, lebendige Erfahrungsm\u00f6glichkeiten, die in der Gegenwart oder der Zukunft neue Beachtung und Bedeutung gewinnen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Es ist deshalb das Kennzeichen einer reichen Kultur, die vielf\u00e4ltige Erfahrungsqualit\u00e4ten anbietet und trotz Selektion Lebensqualit\u00e4t nicht eindimensional fixieren will, dass sie m\u00f6glichst viele Erfahrungen ressourcensparend bewahrt und f\u00fcr Erneuerungen bereit h\u00e4lt. Je nach vorherrschender sozialer Struktur und einer mit dieser verbundenen Bevorzugung der resonanten oder der initiativen Option im Blick auf die Zukunft, kann das Zustandekommen einer solcherma\u00dfen reichen Kultur gef\u00f6rdert oder behindert werden. Es liegt heute st\u00e4rker denn je in der Verantwortung der Menschen, sich im Hinblick auf die Zukunft f\u00fcr die resonante oder initiative Option zu entscheiden und die Strategie der Universalisierung oder der Diversifizierung zu w\u00e4hlen.<\/p>\n<h2 class=\"cprp_section_title\">:: Mehr zum Thema ::<\/h2><div class=\"cprp_items list \"><ul><li><div class=\"cprp_data\"><div class=\"cprp_title\"><a href=\"http:\/\/www.vrabek.de\/design\/2015\/12\/18\/selektion-zur-strategie-der-universalisierung-bezueglich-der-resonanten-option\/\" title=\"Selektion &gt; Zur Strategie der \u00bbUniversalisierung\u00ab bez\u00fcglich der resonanten Option\">Selektion > Zur Strategie der \u00bbUniversalisierung\u00ab bez\u00fcglich der resonanten Option<\/a><\/div><div class=\"cprp_excerpt\"><a href=\"http:\/\/www.vrabek.de\/design\/2015\/12\/18\/selektion-zur-strategie-der-universalisierung-bezueglich-der-resonanten-option\/\" title=\"Selektion &gt; Zur Strategie der \u00bbUniversalisierung\u00ab bez\u00fcglich der resonanten Option\"><img src=\"http:\/\/www.vrabek.de\/design\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/i6_interpretativ.svg\" class=\"cprp_thumbnail\" title=\"Selektion &gt; Zur Strategie der \u00bbUniversalisierung\u00ab bez\u00fcglich der resonanten Option\" alt=\"Selektion &gt; Zur Strategie der \u00bbUniversalisierung\u00ab bez\u00fcglich der resonanten Option\" \/><\/a><span class=\"cprp_excerpt_content\">In historischen Phasen von durch Naturgewalten st\u00e4ndig bedrohten Lebensbedingungen war es notwendig, die soziokulturelle Selektion von Erfahrung aufgrund der praktischen Bedeutung, die sie f\u00fcr das \u00dcberleben haben konnte, zu vereinheitlichen, um als starke Gemeinschaft die Gefahren zu bew\u00e4ltigen. Diese Strategie zur Sicherung der Lebensbedingungen stellt heute keine Notwendigkeit mehr dar.&hellip;<\/span><\/div><div class=\"cprp_tags\">Tags: strategie, universalisierung, design, erfahrungsselektion, struktur, perspektivit\u00e4t, menschen, diese, ihrer, l\u00e4sst<\/div><\/div><\/li><li><div class=\"cprp_data\"><div class=\"cprp_title\"><a href=\"http:\/\/www.vrabek.de\/design\/2015\/12\/18\/selektion-zur-strategie-der-diversifizierung-bezueglich-der-initiativen-option\/\" title=\"Selektion &gt; Zur Strategie der \u00bbDiversifizierung\u00ab bez\u00fcglich der initiativen Option\">Selektion > Zur Strategie der \u00bbDiversifizierung\u00ab bez\u00fcglich der initiativen Option<\/a><\/div><div class=\"cprp_excerpt\"><a href=\"http:\/\/www.vrabek.de\/design\/2015\/12\/18\/selektion-zur-strategie-der-diversifizierung-bezueglich-der-initiativen-option\/\" title=\"Selektion &gt; Zur Strategie der \u00bbDiversifizierung\u00ab bez\u00fcglich der initiativen Option\"><img src=\"http:\/\/www.vrabek.de\/design\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/i6_emanzipativ.svg\" class=\"cprp_thumbnail\" title=\"Selektion &gt; Zur Strategie der \u00bbDiversifizierung\u00ab bez\u00fcglich der initiativen Option\" alt=\"Selektion &gt; Zur Strategie der \u00bbDiversifizierung\u00ab bez\u00fcglich der initiativen Option\" \/><\/a><span class=\"cprp_excerpt_content\">Die menschliche Gesellschaft ist nur idealisierend als Ganzes zu betrachten. Durch kommunikative Entwicklungsprozesse bilden sich vielf\u00e4ltige, ver\u00e4nderliche Ausformungen der typischen sozialen Organisationsstrukturen. \u00c4sthetische Vorlieben, beispielsweise f\u00fcr geometrische, kantige Formen oder blumige Farben, ver\u00e4ndern sich mit der Pes\u00f6nlichkeitsentwicklung. Diese Lebensvielfalt erfordert die Bereithaltung vielf\u00e4ltiger Angebote f\u00fcr die \u00e4sthetische Erfahrung. 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