{"id":400,"date":"2015-12-16T18:30:32","date_gmt":"2015-12-16T17:30:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vrabek.de\/design\/?page_id=400"},"modified":"2018-05-05T17:41:17","modified_gmt":"2018-05-05T15:41:17","slug":"6-1-2-kreiskausalitaet-und-verbesserung-durch-antizipierende-organisationsoptionen","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.vrabek.de\/design\/6-antizipierendes\/6-1-modell-zur-organisationsdynamik-der-antizipierenden-komponente\/6-1-2-kreiskausalitaet-und-verbesserung-durch-antizipierende-organisationsoptionen\/","title":{"rendered":"6.1.2 Kreiskausalit\u00e4t und Verbesserung durch antizipierende Organisationsoptionen"},"content":{"rendered":"<p>Nach dem Modellansatz ist die Zielvorstellung nur durch das rekursive Zusammenwirken aller Prozesse zu generieren. Sie ist sozusagen als von untern wachsend, nicht als von oben aufoktroyiert zu konzipieren. Daher ist davon auszugehen, dass Menschen keine allgemein verbindliche Richtlinie, sondern aufgrund ihrer unterschiedlichen Erfahrungsgeschichten oder Organisationsschwerpunkten der Erfahrung vielf\u00e4ltige Zielvorstellungen entwickeln. Zudem k\u00f6nnen diese im Laufe der Erfahrungsgeschichte variieren, stehen gleichwertig nebeneinander oder werden manchmal nie erf\u00fcllt. F\u00fcr die l\u00e4ngerfristige Qualit\u00e4t der \u00e4sthetischen Erfahrung und mit ihr des Lebens, ist daher weniger die rasche Verf\u00fcgbarkeit der Zielvorstellungen wesentlich, als vielmehr die Gewissheit, ihrer m\u00f6glichen Einl\u00f6sbarkeit bei Bedarf. Diesen Zusammenhang bringt der Begriff einer antizipierenden Organisationsoption zu Ausdruck. Mit der Ausbildung einer antizipierenden Option verbindet sich die positive Vorstellung, einer Verbesserung der \u00e4sthetischen Erfahrung durch deren Einl\u00f6sung.<\/p>\n<p>Exemplarisch wird im Folgenden die Problematik der vielf\u00e4ltigen Organisationsoptionen anhand dem Schwergewicht der gef\u00fchlsbezogenen Komponente innerhalb der Kreiskausalit\u00e4t aller Prozesse dargelegt. Hierbei wird bereits deutlich, dass sich die Einsch\u00e4tzung der jeweiligen Organisationsoption einerseits auf die Erwartung von Verbesserungen der \u00e4sthetischen Erfahrung durch antizipierende Organisationsoptionen auswirkt sowie andererseits auf die Bewertung des jeweils korrespondierenden Designs.<\/p>\n<p>Je nach pers\u00f6nlicher Definition des Selbstkonzepts erh\u00e4lt die Evaluation durch eine dominante Organisationsqualit\u00e4t eine besondere Ausrichtung, welche auch die Ausbildung von Organisationsoptionen bez\u00fcglich der antizipierenden Komponente beeinflusst. W\u00e4hrend eine Ausrichtung im Erleben Priorit\u00e4t hat, bleiben weitere M\u00f6glichkeiten zeitweise oder auch langfristig ausgeblendet. Oft ist das Verst\u00e4ndnis f\u00fcr Menschen, die eine andere Zielvorstellung anstreben, gering. Die professionelle Behandlung \u00e4sthetischer Fragen erfordert es aber, sich von pers\u00f6nlichen Vorlieben distanzieren zu k\u00f6nnen und diese ebenso einer kritischen Beurteilung zu unterziehen wie fremd erscheinende Organisationsoptionen.<\/p>\n<p>Die Kultivierung der perzeptiven Qualit\u00e4t kann elit\u00e4r und \u00fcberheblich wirken, das Offensein f\u00fcr empathive Qualit\u00e4t kann als aufdringliche Suche nach N\u00e4he gewertet werden und die Orientierung an der imaginativen Qualit\u00e4t verleitet dazu, viel Neues zu beginnen, ohne es zu Ende zu f\u00fchren. Wie k\u00f6nnen sich viele K\u00fcnstler der formativen Aktualit\u00e4t von Design widmen, in der Hoffnung einmal in einem Museum die konkrete Dinglichkeit ihrer Objekte pr\u00e4sentiert zu sehen, angesichts aller Missst\u00e4nde in der Welt? Weshalb sollte es gut sein, durch evokative Aktualit\u00e4t von Design empathive Gef\u00fchle zu wecken, welche eine oberfl\u00e4chliche Friedlichkeit erzeugen, die aufkeimendes aufkl\u00e4rerisches Denken bedeckt h\u00e4lt? N\u00fctzt nicht auch die prospektive Aktualit\u00e4t von Design nur dazu, von gegenw\u00e4rtig notwendigen Aktivit\u00e4ten abzulenken und das Streben nach imaginativer Qualit\u00e4t durch die Vermarktung von uneinl\u00f6sbaren Visionen wie einem gesunden, gl\u00fccklichen, finanziell gesicherten Leben f\u00fcr jedermann zu missbrauchen? Andererseits findet ein Mensch vielleicht die gl\u00fccklichsten Momente seines Lebens, indem ihm die formative Aktualit\u00e4t von Design einen Anlass bietet, sich der perzeptiven Qualit\u00e4t der \u00e4sthetischen Erfahrung in besonderer Weise bewusst zu sein. Oder die evokative Aktualit\u00e4t von Design bietet einen Resonanzraum dar, in dem sich die empathive Qualit\u00e4t entfalten kann und Lebensfreude bl\u00fchen l\u00e4sst. Die prospektive Aktualit\u00e4t von Design unterst\u00fctzt Menschen, f\u00fcr deren \u00e4sthetische Erfahrung die imaginative Qualit\u00e4t das sch\u00f6nste Erleben darstellt, dabei, sich an phantastischen Visionen begeistern zu k\u00f6nnen, selbst weitere M\u00f6glichkeiten zu schaffen und optimistisch in die Zukunft zu sehen. Der Vorrang jeder Qualit\u00e4t f\u00fcr die Ausbildung einer antizipierenden Organisationsoption ist ambivalent zu bewerten.<\/p>\n<p>Auch die jeweils dominierende Dimension des Selbstkonzepts und der zugeh\u00f6rige Einfluss auf das Entstehen einer antizipierenden Organisationsoption l\u00e4sst negative und positive Bewertungen zu. Eine Zuwendung zum inneren Selbst und der Reflexion als prim\u00e4re Besch\u00e4ftigung, wird h\u00e4ufig als weltfremde oder egoistische Spinnerei abgelehnt. Das Verst\u00e4ndnis des eigenen Ichs anhand der kommunikativen Bezogenheit zu den Mitmenschen erscheint in westlichen, das Individuelle bevorzugenden Kulturen wom\u00f6glich als naiver Altruismus oder als aufgesetzte Maske, um das Streben nach pers\u00f6nlichem Profit zu verstecken. Die schwerpunktm\u00e4\u00dfige Hinwendung zum Weltlichen, die Interaktion mit Medien, scheint seelische Oberfl\u00e4chlichkeit und Geistlosigkeit zu verraten. Aber gibt nicht die bewusste Reflexion auf das innere Selbst eine Sicherheit der Selbsteinsch\u00e4tzung, die erst dazu bef\u00e4higt, Grenzen und Freiheiten zu unterscheiden sowie Verantwortung zu \u00fcbernehmen? Ist etwa die positive Erfahrung der \u00e4sthetischen Besonderheit des Kommunikativen, des Teilens von Freude und Erlebens von doppelter Freude, des Teilens von Trauer und des Erlebens von halber Trauer, ung\u00fcltig? Erhalten Menschen durch ihre bewusste Hinwendung zu Medien, sei es in Form naturwissenschaftlicher Forschung oder der Pflege kultureller G\u00fcter, verbunden mit dem Bem\u00fchen um qualitative Interaktion, nicht die f\u00fcr alle wichtigen Lebensressourcen?<\/p>\n<p>Diese exemplarischen Erw\u00e4gungen zur Dominanz von Prozessen der gef\u00fchlsbezogenen Komponente innerhalb der Kreiskausalit\u00e4t verdeutlichen deren vielf\u00e4ltigen Einfluss auf die antizipierende Organisationsoption bezogen auf Lebensqualit\u00e4t oder einem langfristig gelungenen Leben. In \u00e4hnlicher Weise k\u00f6nnten auch die Prozesse anderer Komponenten sowie der jeweiligen Korrespondenz von Design dargestellt werden. Dies ist mit Blick auf die gesamte Untersuchung jedoch nicht notwendig. Wie die detaillierten Analysen jeder Komponente und ihrer Prozesse belegen, wurde kein Prozess voreilig als zu banal disqualifiziert, sondern seine m\u00f6gliche Wichtigkeit fand Ber\u00fccksichtigung. Dies gilt sowohl f\u00fcr die Organisation der \u00e4sthetischen Erfahrung eines Menschen, als auch f\u00fcr das Wachsen einer Erfahrung in Richtung einer verbessernden antizipierenden Organisationsoption.<\/p>\n<p>Zwei typische antizipierende Organisationsoptionen sind differenzierbar und im weiteren in ihrer Korrespondenz zu Design der Kategorie der Perspektivit\u00e4t zu untersuchen. Zun\u00e4chst kann eine m\u00f6gliche typische Option, n\u00e4mlich das passive Warten auf das, was die Zukunft bringt und passend dazu die Beliebigkeit als Perspektivit\u00e4t von Design ausgeschlossen werden. Sie w\u00e4re im Sinne die Gesamtuntersuchung v\u00f6llig unfruchtbar, beziehungsweise h\u00e4tten Bef\u00fcrworter dieser Option keinerlei Bedarf an einer Untersuchung wie der vorliegenden. Die beiden typischen Optionen ergeben sich aus der Art der Erwartungen an die Zukunft. Wird von der Zukunft eine Verbesserung des vorhandenen Ist-Zustands ohne zu gro\u00dfe Ver\u00e4nderungen erwartet, so entspricht dies einer resonanten Option. Dominiert jedoch die Vorstellung eines positiveren Soll-Zustands die Erwartung, so besteht gr\u00f6\u00dfere Bereitschaft, das Vorhandene aufzugeben, Ver\u00e4nderungen zuzulassen und eine Verbesserung der \u00e4sthetischen Erfahrung durch die Einl\u00f6sung einer initiativen Option anzustreben. Korrespondierend zur resonanten Option wird die interpretative und zur initiativen Option die emazipative Perspektivit\u00e4t von Design definiert (vgl. Punkt 6.2).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach dem Modellansatz ist die Zielvorstellung nur durch das rekursive Zusammenwirken aller Prozesse zu generieren. Sie ist sozusagen als von untern wachsend, nicht als von oben aufoktroyiert zu konzipieren. 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