{"id":373,"date":"2015-12-16T15:47:48","date_gmt":"2015-12-16T14:47:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vrabek.de\/design\/?page_id=373"},"modified":"2020-12-29T14:54:32","modified_gmt":"2020-12-29T13:54:32","slug":"4-1-3-kausalitaet-nach-oben-durch-den-hauptprozess-der-selektion","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.vrabek.de\/design\/4-soziales\/4-1-modell-zur-organisationsdynamik-der-sozialen-komponente\/4-1-3-kausalitaet-nach-oben-durch-den-hauptprozess-der-selektion\/","title":{"rendered":"4.1.3 Kausalit\u00e4t nach oben durch den Hauptprozess der Selektion"},"content":{"rendered":"<p>Die typischen Akzentuierungen schlagen sich wiederum in dem wesentlichen Einfluss der sozial bedingten Komponente auf die Gesamterfahrung nieder. Je nachdem, welcher sozialen Struktur die Mehrheit einer Gesellschaft anh\u00e4ngt und hinsichtlich derer sich die Menschen wechselseitig in ihren Vorstellungen best\u00e4tigen und best\u00e4rken, erf\u00e4hrt auch der Hautprozess eine entsprechende Akzentuierung. Wie die Herleitung der typischen sozialen Organisationsstrukturen zeigt, kann nicht jede pers\u00f6nliche Erfahrung in die sozial geteilte und durch Kommunikation weiterentwickelbare Erfahrung eingehen. Daher ist der Hauptprozess der sozialen Komponente als Selektion von Erfahrung charakterisierbar. Dominiert die Akzentuierung der sozialen Dimension von Erfahrung durch die integrative Struktur, so ist der Selektionsfilter durchl\u00e4ssig und bei Dominanz der hierarchischen Struktur engmaschig angelegt. Die polyvalente Struktur l\u00e4sst verschiedene Selektionsfilter nebeneinander zu. Zudem ist der Unterschied zwischen der von au\u00dfen beobachtbaren Einbindung eines Menschen in eine soziale Struktur von seiner pers\u00f6nlichen Orientierung an einer sozialen Struktur zu beachten. Auch bez\u00fcglich dem Hauptprozess der sozialen Komponente \u00e4sthetischer Erfahrung, der Selektion, kann die pers\u00f6nliche Wahrnehmung von sozialen Strukturen der an einem sozialen System Beteiligten st\u00e4rkere Bedeutung gewinnen, als eine von au\u00dfen registrierte Struktur.<\/p>\n<p>Die drei vorgestellten Strukturtypen sind als modellhafte Beschreibungen f\u00fcr die Erfahrung der kommunikativen mitmenschlichen Beziehungen zu verstehen, nicht als Abbildung einer solcherart existenten sozialen Realit\u00e4t. Weitere Strukturtypen oder Mischungen und \u00dcberschneidungen der dargestellten Strukturtypen sind denkbar. Trotzdem eignet sich der eine oder andere Strukturtyp besser zur Analyse dieses oder jenen sozialen Systems und den durch die Orientierung an der Struktur des Systems bedingten, in die kommunikativen Beziehungen im Zusammenleben zur\u00fcckwirkenden Einfl\u00fcsse. Bei der Verst\u00e4rkung eines vorhandenen Strukturtyps, der Implementierung einer Struktur in ein bestehendes System oder der Neuentwicklung einer Struktur zusammen mit einem sozialen System ist zu beachten, dass die Orientierung an jedem Strukturtyp bestimmte Vor- und Nachteile als Grundbedingungen vorgibt. Deshalb ist es vorteilhafter, wenn nicht allein die Akzentuierung durch nur einen Strukturtyp das gesamte soziale Leben oder den Hauptprozess der sozialen Komponente dominiert. Wegen der M\u00f6glichkeiten durch die Kategorie der sozial bedingten Potentialit\u00e4t von Design an der Modifizierung der Strukturtypen mitzuwirken, sollten auch Designer analysieren, welcher Typ positiv mit einem sozialen System und dem zugeh\u00f6rigen Kommunikationsbereich zusammenpasst (<a href=\"\/design\/6-antizipierendes\/6-3-2-strategien-zum-hauptprozess-der-subliminalen-akkumulation-von-erfahrung\/\">vgl. Kapitel 6.3.2<\/a>). Beispielsweise kann die Architektur und weitere Ausgestaltung von Parlamentsgeb\u00e4uden den prim\u00e4ren Strukturtyp, den die Politiker eines Land nach innen sowie nach au\u00dfen pr\u00e4sentieren wollen, symbolisieren (<a href=\"\/design\/literaturverzeichnis\/\">vgl. Beyme, 1998<\/a>).<\/p>\n<p>Die Demokratie als staatliche Organisationsstruktur ist je nach Gewichtung unterschiedlich interpretierbar. Prinzipiell weist sie aber \u00c4hnlichkeiten sowohl mit der integrativen, als auch mit der polyvalenten Struktur auf und kann, obwohl sie den Gegensatz zu autorit\u00e4ren Staatsformen bildet, auf soziale Systeme mit hierarchischer Struktur nicht v\u00f6llig verzichten. Ihr besonderer Vorteil gegen\u00fcber anderen Staatsformen liegt genau darin, dass sie als ein lockerer Zusammenschluss aller sozialen Systeme deren strukturelle Verschiedenheit erm\u00f6glicht und dadurch verhindert kann, dass ein einziger Stukturtyp in den K\u00f6pfen der Menschen zu stark verankert wird oder ein einziges soziales System dominiert. Dieses Konzept zur Kategorie der Potentialit\u00e4t von Design in Korrespondenz zu sozial bedingten Akzentuierung von \u00e4sthetischer Erfahrung durch Organisationsstrukturen, geht demgem\u00e4\u00df davon aus, dass die dynamische Bezogenheit unterschiedlicher Strukturen nicht durch eine optimale Ordnung zu fixieren ist. Individuen sollten ihrer Erfahrungsgeschichte und ihrer bevorzugten Akzentuierung gem\u00e4\u00df die soziale, kommunikative Dimension von Erfahrung durch die Orientierung an verschiedenen Strukturtypen ausleben k\u00f6nnen (<a href=\"\/design\/4-soziales\/4-3-aesthetische-kriterien-fuer-design-in-korrespondenz-zu-sozialen-organisationsstrukturen\/4-3-1-subprozesse-im-teilprozess-der-konvention\/4-3-1-2-kriterien-zum-subprozess-der-wandlung\/\">vgl. Punkt 4.3.1.2<\/a>). Kein Strukturtyp sollte totale \u00dcbermacht f\u00fcr die Akzentuierung der kommunikativen Erfahrung und die Selektion als Hauptprozess der sozialen Komponente innerhalb der Wechselwirkung aller Komponenten gewinnen. Deshalb kann an dieser Stelle nur ein Vorschlag f\u00fcr die sinnvolle Gewichtung und Anpassung der Strukturtypen bez\u00fcglich sozialen Systemen vorgelegt werden.<\/p>\n<p>Hinsichtlich der Orientierung an der polyvalenten Struktur sind Spr\u00fcnge zwischen verschiedenen Systemen am einfachsten und die Vorhersage und gestalterische Antizipation allgemeiner sozialer Tendenzen am schwierigsten. Zur \u00e4sthetischen Erfahrung eines gelingenden Lebens geh\u00f6rt jedoch f\u00fcr die Mehrzahl der Menschen eine gewisse Sicherheit bez\u00fcglich der Gestaltung ihrer Lebensperspektive, beispielsweise durch die Berufswahl oder Familiengr\u00fcndung. Daher ist die polyvalente Struktur als grundlegende Hauptstruktur innerhalb der Bezogenheit sozialer Strukturen eher ungeeignet. Neben der hierarchischen Struktur als Grundstruktur k\u00f6nnten anders strukturierte Systeme auf Dauer nicht gleichwertig bestehen. Am geeignetsten f\u00fcr eine soziale Basis w\u00e4re demnach die integrative Struktur. Sie sollte das Gelingen des sozialen Miteinanders garantieren und besonders im Alltagsleben gepflegt werden. Hierzu geh\u00f6rt die Organisationsstruktur von B\u00fcrgerkontakten auf \u00c4mtern, von Kundenservice im Handel, von Patientenberatung im Medizinbereich usw. Beispielsweise m\u00fcssten Schulen durchg\u00e4ngig ge\u00f6ffnet sein und mitmenschliche Begegnungen zwischen Sch\u00fclern und Lehrern au\u00dferhalb des Unterrichts erm\u00f6glichen, gerade weil die Beibehaltung von Frontalunterricht und die Orientierung an einer hierarchischen Struktur in einigen Wissensgebieten sinnvoll ist und das Lernen erleichtern sowie in der Weiterbildung zur Effizienz des Lernens beitragen kann. Eine hierarchische Struktur sollten Sicherheitsorganisationen wie beispielsweise Zivilschutz oder Feuerwehr aufweisen, da diese im Notfall die gr\u00f6\u00dfte Stabilit\u00e4t und Funktionalit\u00e4t der sozialen Koordination gew\u00e4hrleistet. In allen F\u00e4llen, in denen es wichtig ist, dass jeder genau seinen zugeteilten Bereich ausf\u00fcllt und keine Zeit bleibt \u00fcber Zust\u00e4ndigkeiten oder verschiedene L\u00f6sungswege zu diskutieren, ist die hierarchische Struktur von Vorteil. Systeme mit hierarchischer Strukturen w\u00e4ren dann als eine Art Schutzpyramide vorstellbar und Bestandteil der sozialen Basissysteme mit integrativer Struktur. Die polyvalente Struktur k\u00f6nnte f\u00fcr diejenigen sozialen Systeme stehen, die sich um spezifische Kommunikationsthemen organisieren und alternative Wege entfalten wie bez\u00fcglich Wissenschaft, Sport oder Kunst. Systeme mit polyvalenter Struktur organisieren sich um experimentelle Themeninhalte und sind daher mit dem Risiko des Scheiterns behaftet. Deshalb sollten auch diese als Teilsysteme der sozialen Basis mit einer integrativen Struktur konzipiert werden, denn die vom Zerfall eines System betroffenen Individuen k\u00f6nnen dann von der Basis aufgefangen werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die typischen Akzentuierungen schlagen sich wiederum in dem wesentlichen Einfluss der sozial bedingten Komponente auf die Gesamterfahrung nieder. 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