{"id":371,"date":"2015-12-16T15:47:02","date_gmt":"2015-12-16T14:47:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vrabek.de\/design\/?page_id=371"},"modified":"2015-12-18T11:46:56","modified_gmt":"2015-12-18T10:46:56","slug":"4-1-2-kreiskausalitaet-und-akzentuierung-durch-soziale-organisationsstrukturen","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.vrabek.de\/design\/4-soziales\/4-1-modell-zur-organisationsdynamik-der-sozialen-komponente\/4-1-2-kreiskausalitaet-und-akzentuierung-durch-soziale-organisationsstrukturen\/","title":{"rendered":"4.1.2 Kreiskausalit\u00e4t und Akzentuierung durch soziale Organisationsstrukturen"},"content":{"rendered":"<p>Die Wahrnehmung und \u00e4sthetische Erfahrung der sozialen Komponente wird nicht von den einzelnen Teil- und Subprozessen als solchen bestimmt. Hierf\u00fcr sind vielmehr die R\u00fcckkopplungsprozesse, welche die individuelle Erfahrungsgeschichte bez\u00fcglich der sozialen Komponente mitgenerieren ma\u00dfgebend. Aufgrund dieser Kreiskauslit\u00e4t zwischen den Teilprozessen, Subbrozessen und Einfl\u00fcssen durch andere Komponenten oder sonstige Faktoren bilden sich trotz der prinzipiellen Ganzheitlichkeit von Erfahrung unterschiedliche Schwerpunkte aus. Dadurch erf\u00e4hrt die soziale Dimension von \u00e4sthetischen Erfahrung eine mehr oder weniger stabile Akzentuierung. Typische Akzentuierungen sind als Vorstellungen von verschiedenen sozialen Strukturen modellhaft beschreibbar. Zwar wird ein Kommunikationsbeitrag auch in seinem Eigenwert und seiner Bedeutung bez\u00fcglich dem sozialen System beurteilt, aber die eigentliche Bedingung der kommunikativen, menschenbezogenen Dimension der \u00e4sthetischen Erfahrung resultiert aus der bewussten oder unbewussten Orientierung an Vorstellungen von sozialen Strukturen. Ob die sozialen Strukturen als mental verdinglicht und subjektiv projizierst oder als kommunikativ entwickelt und konkret verwirklicht verstanden werden, in jedem Fall bietet die Orientierung an ihnen wie Giddens hervorhebt jeweils strukturtypische Ressourcen an und gibt ebenso strukturtypische Regeln vor. Deshalb ist weniger nach der Ursache einer Orientierung zu fragen, als vielmehr zu untersuchen, in welcher Weise die Orientierung an einer Struktur durch deren typische Bedingungen, in Form von Regeln oder Ressourcen, die mit dieser verbundene kommunikative Dimension \u00e4sthetischer Erfahrung akzentuiert und beeinflusst Hierzu sind zun\u00e4chst typische Strukturen zu differenzieren. Eine Variable f\u00fcr die Differenzierung von sozialen Organisationsstrukturen stellt die Erfahrung bez\u00fcglich dem Teilprozess der Partizipation, beispielsweise durch Kommunikationsbeitr\u00e4ge, dar. Die Struktur ist hinsichtlich der individuellen Beteiligung als offen oder geschlossen erlebbar. Eine zweite Variable ergibt sich aus der Wirkung der Kommunikationsbeitr\u00e4ge, indem eine Struktur als dynamisch oder statisch erfahren wird. Sowohl die Orientierung an einer f\u00fcr die individuelle Mitwirkung offenen, als auch an einer geschlossenen Struktur kann die kommunikative Dimension der \u00e4sthetischen Erfahrung positiv oder negativ akzentuieren. Dies gilt ebenso f\u00fcr eine im Verh\u00e4ltnis der m\u00f6glichen Wirkung eines Kommunikationsbeitrags dynamische oder statische Struktur.<\/p>\n<p>Eine extrem offene Grundstruktur w\u00e4re beispielsweise dadurch gegeben, dass jede individuelle \u00c4u\u00dferung als Kommunikationsbeitrag in einem sozialen System Eingang f\u00e4nde. Die dadurch erzwungene Beteiligung an der Kommunikation lie\u00dfe den Individuen keine Zeit und keinen Freiraum daf\u00fcr, die \u00e4sthetische Erfahrung an anderen Dimensionen des Selbstkonzepts auszurichten. Einige Personen die im sogenannten \u00f6ffentlichen Leben stehen, sind diesem Druck einer solch allumfassenden Struktur ausgesetzt. Inwieweit diese totalit\u00e4re Struktur in einer Gesellschaft verwirklicht ist, wird daran erkennbar, ob die prinzipielle M\u00f6glichkeit besteht, sich beispielsweise als Einsiedler absichtlich aus der Kommunikation und der Mitwirkung an der sozialen Selektion auszuklinken. Dagegen w\u00e4re eine extrem geschlossene Grundstruktur dadurch gekennzeichnet, dass die Mehrzahl der Menschen in keiner Weise an der kommunikativen Selektion teilnehmen k\u00f6nnte. Mit einer solchen Struktur ist beispielsweise das soziale System der Atomwissenschaft assoziierbar.<\/p>\n<p>Eine extrem dynamische Struktur l\u00e4ge dann vor, wenn jeder Kommunikationsbeitrag sofort ver\u00e4ndernd auf die Struktur einwirken k\u00f6nnte. Eine anf\u00e4nglich gegebene Struktur w\u00e4re dann bald nicht mehr erkennbar und die Wirkung eines speziellen Beitrags nicht mehr zu verfolgen. F\u00fcr Paul Virilio ist diese dynamische Struktur, durch die Geschwindigkeit der elektronischen Daten\u00fcbertragung und die damit verbundene Beschleunigung der Kommunikation sowie der Wahrnehmung schon verwirklicht. Die verselbst\u00e4ndigte Beschleunigung macht jede \u00e4sthetische Erfahrung gegen\u00fcber einer sozialen Struktur unm\u00f6glich. Es kommt zu einer \u00bb\u00c4sthetik des Verschwindens\u00ab. Beispielsweise gelingt es vielen Menschen bez\u00fcglich dem Nachrichtensystem kaum, sich ann\u00e4hernd auf einem aktuellen Informationsstand zu halten, um wenigstens noch der Berichterstattung zum Zeitgeschehen folgen zu k\u00f6nnen. Durch die Unf\u00e4higkeit mit dem Tempo mithalten zu k\u00f6nnen, bleiben Versuche aktiver Kommunikationsbeteilung auf der Strecke. Im Gegensatz zu dieser extremen Dynamik weist beispielsweise das soziale System der Kirche, insbesondere die Organisation des Klosterlebens, eine extrem statische Struktur auf. Eine wiedergeborene Nonne aus dem Mittelalter k\u00f6nnte sich vergleichsweise leicht in eine gegenw\u00e4rtige kl\u00f6sterliche Struktur einfinden.<\/p>\n<p>Durch die Kombination der Parameter \u00bboffen und geschlossen\u00ab f\u00fcr die Variable der Beteiligung an der Kommunikation und der Parameter \u00bbdynamisch und statisch\u00ab f\u00fcr die Variable der Wirkung des Kommunikationsbeitrags sind typische Organisationsstrukturen zu definieren, welche die \u00e4sthetische Erfahrung bez\u00fcglich der sozial bedingten Organisationsdynamik akzentuieren. Zu Beginn kann die Akzentuierung durch den Strukturtyp, der theoretisch aus der Kombination der Parameter \u00bbgeschlossen und statisch\u00ab entsteht, als wenig ergiebig f\u00fcr die weiteren Untersuchungen ausgeschieden werden. Der Typ mit den Parametern \u00bbgeschlossen und dynamisch\u00ab ist als hierarchische Struktur definierbar. Aus den Parametern \u00bboffen und statisch\u00ab ergibt sich eine integrative Struktur. Den Parametern \u00bboffen und dynamisch\u00ab ist eine polyvalente Struktur zuzuordnen. Diese drei verbleibenden Strukturen zur Akzentuierung der \u00e4sthetischen Erfahrung bez\u00fcglich der sozial bedingten Komponente werden im anschlie\u00dfenden Untersuchungspunkt in Korrespondenz zu Design genauer definiert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Wahrnehmung und \u00e4sthetische Erfahrung der sozialen Komponente wird nicht von den einzelnen Teil- und Subprozessen als solchen bestimmt. Hierf\u00fcr sind vielmehr die R\u00fcckkopplungsprozesse, welche die individuelle Erfahrungsgeschichte bez\u00fcglich der sozialen Komponente mitgenerieren ma\u00dfgebend. 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