{"id":330,"date":"2020-12-16T14:53:00","date_gmt":"2020-12-16T13:53:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vrabek.de\/design\/?page_id=330"},"modified":"2020-12-29T14:11:46","modified_gmt":"2020-12-29T13:11:46","slug":"3-1-2-kreiskausalitaet-und-akzentuierung-durch-subliminale-organisationstendenzen","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.vrabek.de\/design\/3-subliminales\/3-1-2-kreiskausalitaet-und-akzentuierung-durch-subliminale-organisationstendenzen\/","title":{"rendered":"3.1.2 Kreiskausalit\u00e4t und Akzentuierung durch subliminale Organisationstendenzen"},"content":{"rendered":"<p>Der bedingende Einfluss der subliminalen Organisationsmechanismen auf die \u00e4sthetische Erfahrung ist nur zum Teil durch gattungsspezifische, intersubjektiv \u00e4hnliche, gehirninterne Mechanismen bestimmt. Wie sich als Fazit der Analysen zur Charakterisierung der subliminal bedingten Komponente ergibt, liegt der im vorliegenden Untersuchungszusammenhang wesentlichere Anteil in der individuellen, einzigartigen Auspr\u00e4gung der subliminal bedingten Komponente der Erfahrung. Diese entsteht durch die r\u00fcckgekoppelte Organisationsdynamik der subliminalen Teilprozesse. Ankn\u00fcpfend an das Modell des Radikalen Konstruktivismus, ist die Selbstorganisation des Organismus nicht nur der Motor, sondern zum gro\u00dfen Teil auch das Steuer f\u00fcr dessen Verhalten. Aus der subliminalen Organisationsdynamik erwachsen Tendenzen, welche bevorzugte Akzentuierungen, nicht nur allgemeine Bedingungen in die gesamte Erfahrungsorganisation einflie\u00dfen lassen. Diesen akzentuierenden Tendenzen, die durch die selbstorganisierte neuronale Dynamik bereits auf subliminaler Ebene entstehen, kann sich kein Mensch mit bewusster Anstrengung auf Dauer entziehen, ohne seinen gesamten Selbstorganisationsmechanismus zu sch\u00e4digen und geistig oder k\u00f6rperlich krank zu werden. Daher ist die Beachtung der subliminalen Tendenzen als das bewusste Verhalten beeinflussende und in besonderer Weise akzentuierende Bedingungen f\u00fcr das Empfinden von Lebensqualit\u00e4t wesentlich. Entsprechend muss Design, das der Verbesserung von Lebensqualit\u00e4t dienen soll, auf diese Tendenzen abgestimmt sein.<\/p>\n<p>Erschwert wird die Typisierung der subliminalen Organisationstendenzen dadurch, dass sie f\u00fcr eine explizite Analyse genaugenommen verschlossen sind, da ihre Anf\u00e4nge ja auf einer dem Bewusstsein nicht zug\u00e4nglichen Ebene liegen. Trotzdem bietet sich ein sinnvoller Ansatz zur Unterscheidung von drei markanten Tendenzen an. Er gr\u00fcndet in der von jedermann nachvollziehbaren Zuordnung der bewussten Erfahrungen in drei Bereiche. So scheint das Wirklichkeitsempfinden, beziehungsweise die ph\u00e4nomenale Erfahrung der Welt in selbstverst\u00e4ndlicher Weise in drei deutlich unterscheidbare Richtungen zu tendieren. Gerhard Roth stellt diesen Zusammenhang zwischen gehirninterner Selbstorganisation und bewusster Erfahrung folgenderma\u00dfen dar:<\/p>\n<blockquote><p>\u00bbWir gehen in Einklang mit der Gehirnforschung davon aus, dass die ph\u00e4nomenale Welt ein Konstrukt unseres kognitiven Systems und damit unseres Gehirns ist. Diese ph\u00e4nomenale Welt umfasst alles, was wir \u00fcberhaupt erleben k\u00f6nnen, n\u00e4mlich sinnliche Wahrnehmungen, Gedanken und Empfindungen, Vorstellungen und nat\u00fcrlich auch Konstrukte unseres Denkens. Ebenso ist die grunds\u00e4tzliche Untergliederung der ph\u00e4nomenalen Welt in drei Bereiche, n\u00e4mlich die uns umgebende Welt, unseren K\u00f6rper und unsere mentale Welt, eine Konstruktion unseres Gehirns. Diese Untergliederung vollzieht sich auf der Basis der sensomotorischen Interaktion mit der Umwelt, auch wenn diese drei Bereiche ontologisch verschieden erscheinen. Das Gehirn nimmt diese Unterscheidung vor, da sie von entscheidender Bedeutung f\u00fcr das \u00dcberleben des Organismus ist: es muss f\u00fcr den Organismus stets klar sein, was Ereignisse der Umwelt sind, was den eigenen K\u00f6rper betrifft und was blo\u00df gedacht, gef\u00fchlt, erinnert, gewollt ist. Es ist eine der Hauptleistungen unseres kognitiven Systems w\u00e4hrend seiner Ontogenese, diese ontologischen Bereiche zu konstituieren.\u00ab (<a href=\"\/design\/literaturverzeichnis\/\">Roth, 1992, S. 128<\/a>)<\/p><\/blockquote>\n<p>Daher sind im Zustand der Bewusstheit die entsprechenden Bereiche, eine innere Welt, eine \u00e4u\u00dfere Welt und eine k\u00f6rperliche Welt, klar voneinander zu trennen und meist ist problemlos zu sagen, welche Welt im Erleben gerade Vorrang hat. Im Zustand von weichendem oder erweitertem Bewusstsein wie M\u00fcdigkeit, Drogeneinwirkung oder Stress \u00f6ffnen sich die Grenzen und die Bereiche scheinen sich zu einer neuen schrankenlosen Welt zu vereinigen. Das hei\u00dft, dass sich die subliminalen Tendenzen in der \u00dcbergangszone vom Subliminalen zum Bewussten zunehmend auspr\u00e4gen und f\u00fcr das Bewusstsein erstens die Trennung der Bereiche vorstrukturieren und zweitens das bewusst einer Motivation folgende Handeln auf die Priorit\u00e4t der jeweiligen subliminalen Tendenz zu einem Bereich hindr\u00e4ngen. Jedem der drei ph\u00e4nomenalen Bereiche ist eine Tendenz zuzuordnen, der k\u00f6rperlichen Welt die somatische Tendenz, der inneren Welt die introvertierte Tendenz und der \u00e4u\u00dferen Welt die explorative Tendenz.<\/p>\n<p>F\u00fcr ein erf\u00fclltes Menschsein sind M\u00f6glichkeiten zum Ausleben jeder der drei subliminalen Tendenzen wichtig. Je nach pers\u00f6nlicher Entwicklungsgeschichte und Lebensphase oder soziokultureller, steuernder Einflussnahme, erlangen die Tendenzen unterschiedliches Gewicht im individuellen Verhaltensfluss Sie k\u00f6nnen einseitige Priorit\u00e4t entwickeln, sich in unregelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden nacheinander in den Vordergrund dr\u00e4ngen und den Hauptprozess der subliminalen Komponente dominieren oder in einem st\u00e4ndigen Streben nach gleichgewichtiger Verteilung abwechseln. Eine klare Trennung der Tendenzen ist nur im Zuge der Analysen notwendig, zwar f\u00fcr die Analyse notwendig, im konkreten Erleben kommt es zu Wechselwirkungen und Mischformen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der bedingende Einfluss der subliminalen Organisationsmechanismen auf die \u00e4sthetische Erfahrung ist nur zum Teil durch gattungsspezifische, intersubjektiv \u00e4hnliche, gehirninterne Mechanismen bestimmt. 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