{"id":288,"date":"2020-12-16T14:07:00","date_gmt":"2020-12-16T13:07:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vrabek.de\/design\/?page_id=288"},"modified":"2020-12-29T13:06:55","modified_gmt":"2020-12-29T12:06:55","slug":"2-2-2-empathive-qualitaet-als-bewusst-gefuehlte-akzentuierung-aesthetischer-erfahrung-und-evokative-aktualitaet-von-design","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.vrabek.de\/design\/2-design-und\/2-2-2-empathive-qualitaet-als-bewusst-gefuehlte-akzentuierung-aesthetischer-erfahrung-und-evokative-aktualitaet-von-design\/","title":{"rendered":"2.2.2 Empathive Qualit\u00e4t als bewusst gef\u00fchlte Akzentuierung \u00e4sthetischer Erfahrung und evokative Aktualit\u00e4t von Design"},"content":{"rendered":"<p>Im bewussten Erleben kann das Gef\u00fchl mitschwingen, dass hier und jetzt etwas passiert, dass es spannend ist, dabei zu sein, dass die Gegenwart das einzig wichtige ist. In der erf\u00fclltesten Form wird diese Gef\u00fchlsqualit\u00e4t der Authentizit\u00e4t als wahrhaftes Geschehen mit gro\u00dfer Intensit\u00e4t erlebt und deshalb oft mit dem Glauben an eine gr\u00f6\u00dfere, au\u00dferhalb der menschlichen Erfahrungswirklichkeit liegenden Wahrhaftigkeit verbunden. Es entsteht ein euphorisches Gef\u00fchl, das der K\u00f6rper nicht lange aufrecht halten kann und deshalb im Alltag nur dosiert erlebt wird. In einem ganz auf das Selbst bezogenen Gl\u00fccksgef\u00fchl scheint der innere Erlebnisraum \u00fcberzulaufen und von etwas Gr\u00f6\u00dferem aufgefangen zu werden. In dem starken Gef\u00fchl der gegenw\u00e4rtigen Verbundenheit, das unter den Besuchern einer Sportveranstaltung ebenso aufkommen kann wie unter den Beteiligten eines Gottesdienstes, entsteht der Eindruck, dass sich die Verbundenheit von den beteiligten Akteuren abl\u00f6st und verselbst\u00e4ndigt. Die lebendige Anmutung, welche Innenr\u00e4ume von barocken Geb\u00e4uden oder opulent gestaltete Hotels, die u. a. in Las Vegas vorkommen, vermitteln, ist ein Genuss f\u00fcr alle Sinne. Dar\u00fcber hinaus entsteht das \u00fcberschw\u00e4ngliche, Gef\u00fchl in diesem Moment die ganze Welt an Ort und Stelle konzentriert zu erleben.<\/p>\n<p>Das Authentische als \u00e4sthetische Erfahrungsqualit\u00e4t ist nicht ausschlie\u00dflich an das au\u00dfergew\u00f6hnliche Erlebnis gebunden. Es ist in weniger intensiver Form vielmehr fast st\u00e4ndig im allt\u00e4glichen Tun pr\u00e4sent und fungiert als eine Art Realit\u00e4tssinn. Die Authentizit\u00e4t eines Geschehens ist am \u00fcberzeugendsten sichergestellt, wenn eine Person selbst dabei war, es hautnah erlebte, es mit eigenen Augen sah, die Erfahrung selbst gemacht hat oder aus authentischer Quelle von dem wahren Ablauf eines Geschehens informiert wurde. Obwohl Zeugenaussagen zu einem Ereignis h\u00e4ufig von v\u00f6llig abweichenden Beobachtungen berichten, ist doch jeder Zeuge unter Hinweis auf die Authentizit\u00e4t seines Berichts von dessen Wahrheit \u00fcberzeugt. F\u00fcr die selbstbestimmte Lebensf\u00e4higkeit ist die Erfahrungsqualit\u00e4t der Authentizit\u00e4t essentiell wichtig, denn mit ihrem Verlust schwindet die innere Lebensorientierung in Zeit und Raum, der Innen- oder Au\u00dfenwelt, Phantasie und Realit\u00e4t.<\/p>\n<p>Wie durch die angef\u00fchrten Beispiele deutlich wird, gibt das Erleben von Authentizit\u00e4t eine subjektive Gewissheit zur Wahrhaftigkeit des Erlebten, aus der jedoch nicht dessen objektive Richtigkeit abzuleiten ist. Dies ist beispielsweise beim Vergleich von Urlaubserlebnissen, dem echten Kennenlernen von Land und Leuten oder dem h\u00e4ufig kritisierten Urlaubsvergn\u00fcgen in k\u00fcnstlich angelegten Themenparks festzustellen. Das sogenannte \u00bbechte Erlebnis\u00ab kann durch vorher gelesene Reiseliteratur und klischeehafte Vorstellungen oder das an den W\u00fcnschen der Touristen orientierte Verhalten der Einheimischen ebenso beeinflusst sein wie andererseits das Erleben von tropischer Pflanzenwelt und die Kommunikation mit anderen Urlaubern in einem Themenpark authentisch empfunden werden kann. Authentizit\u00e4t ist keine absolute, sondern eine standpunktbezogene, perspektivische Qualit\u00e4t, die f\u00fcr eine selbstbestimmte Lebensorientierung in einem soziokulturellen Rahmen unverzichtbar ist. Ein objektiv nachpr\u00fcfbares Ereignis kann zwar Kommunikationsthema sein, es wird aber erst dann in die subjektive Wirklichkeit eingebunden, wenn es in irgendeiner Form gelingt, ihm gegen\u00fcber die subjektive Gef\u00fchlsqualit\u00e4t der Authentizit\u00e4t zu aktivieren.<\/p>\n<p>Subjektive Erfahrungswirklichkeit ist immer durch Bedingungen, die nicht umfassend freigelegt werden k\u00f6nnen, vermittelt. Die Bedingtheit der Erfahrung durch Medien im weitesten Sinne (<a href=\"\/design\/5-mediales\/\">vgl. Kapitel 5<\/a>) ist schwer durchschaubar, weil sie durch die Verkettung und Verkn\u00fcpfung verschiedenster Medien mehrfach vorselektiert wird und zeichenhaft vermittelt entsteht, obwohl das Gef\u00fchl des Authentischen und mit ihm die Vermutung oder \u00dcberzeugung bez\u00fcglich des objektiven Wahrheitsgrads mit dem jeweils letzten Medium in der Reihe, beispielsweise der Pr\u00e4sentation einer Nachrichtensendung, eines Boulevardmagazins, einer Werbesendung, einem Krimi oder XY-ungel\u00f6st verkn\u00fcpft wird. Dem Designer kommt die Verantwortung zu, diese Mediengattungen deutlich unterscheidbar und wiedererkennbar zu gestalten, um eine m\u00f6glichst zuverl\u00e4ssige Zuordnung des objektiven Wahrheitsanspruchs oder der Glaubw\u00fcrdigkeit zum subjektiven Authentizit\u00e4tsgef\u00fchl zu erleichtern (<a href=\"\/design\/5-mediales\/5-3-aesthetische-kriterien-fuer-design-in-korrespondenz-zu-medialen-organisationslogiken\/\">vgl. Kapitel 5.3<\/a>).<\/p>\n<p>Essentiell f\u00fcr die empathive Qualit\u00e4t \u00e4sthetischer Erfahrung ist die F\u00e4higkeit zur bewussten Einf\u00fchlung sowohl in das eigene Selbst als auch in die Erfahrungswelt der Mitmenschen. Aufgrund dieser Qualit\u00e4t des Mit- und Nachf\u00fchlens, wird es erstens m\u00f6glich voneinander zu lernen, Erlebnisse durch Kommunikation zu vergegenw\u00e4rtigen, ohne sie unbedingt selbst erleben zu m\u00fcssen. Zweitens gelingt es, auch die nicht explizit artikulierten Gef\u00fchle von anderen zu ersp\u00fcren und sie nach deren Interesse zu transformieren. Ohne empathives Verst\u00e4ndnis in die \u00e4sthetischen Wirklichkeitskonstruktionen und Motivationen von den Menschen, an die sich Designentw\u00fcrfe richten sollen, k\u00f6nnen keine glaubhaften Angebote zur Erhaltung oder Verbesserung von Lebensqualit\u00e4t entstehen. Demnach bildet nicht das Selbstgef\u00fchl des Designers, als vielmehr das mit Empathie antizipierte Gef\u00fchl des Rezipienten die Leitgr\u00f6\u00dfe w\u00e4hrend dem Designprozess F\u00e4lschlicherweise h\u00e4lt sich immer noch die Meinung, Designer w\u00fcrden sich in erster Linie im Spa\u00df an der Arbeit verwirklichen. Dieser Aspekt geh\u00f6rt zu jeder kreativen Arbeit, doch letztlich geht es in der professionellen gestalterischen Arbeit nicht um den Ausdruck eigener Gef\u00fchle, sondern um die Gestaltung von nutzer- oder zielgruppenspezifischen Ankn\u00fcpfungsm\u00f6glichkeiten, die der Emotionsvielfalt der unterschiedlichen Menschen entgegenkommen sollten. Die nachfolgende Analyse (<a href=\"\/design\/2-design-und\/2-3-aesthetische-hauptkriterien-fuer-design-in-korrespondenz-zu-bewussten-organisationsqualitaeten\/\">vgl. Punkt 2.3<\/a>) stellt heraus, wie die evokative Aktualit\u00e4t von Design f\u00f6rderlich auf das Entfalten der empathiven Qualit\u00e4t eingehen k\u00f6nnte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im bewussten Erleben kann das Gef\u00fchl mitschwingen, dass hier und jetzt etwas passiert, dass es spannend ist, dabei zu sein, dass die Gegenwart das einzig wichtige ist. 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