{"id":270,"date":"2020-12-16T14:03:00","date_gmt":"2020-12-16T13:03:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vrabek.de\/design\/?page_id=270"},"modified":"2020-12-29T12:45:15","modified_gmt":"2020-12-29T11:45:15","slug":"2-1-3-kausalitaet-nach-oben-durch-den-hauptprozess-der-evaluation","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.vrabek.de\/design\/2-design-und\/2-1-modell-zur-organisationsdynamik-der-gefuehlsbezogenen-komponente\/2-1-3-kausalitaet-nach-oben-durch-den-hauptprozess-der-evaluation\/","title":{"rendered":"2.1.3 Kausalit\u00e4t nach oben durch den Hauptprozess der Evaluation"},"content":{"rendered":"<p>Die Unterscheidung von drei Organisationsqualit\u00e4ten als typische Auspr\u00e4gungen der \u00e4sthetischen Erfahrung geht davon aus, dass diese die gef\u00fchlsbezogene Komponente der \u00e4sthetischen Erfahrung in Relation zur wirkungsbezogenen Orientierung (<a href=\"\/design\/1-design-und-aesthetische-erfahrung-innerhalb-der-wirklichkeitsbildenden-basis-von-erfahrung\/1-3-1-wirkungsbezogene-orientierung-und-die-kategorie-der-aktualitaet-von-design-in-korrespondenz-zur-gefuehlsbezogenen-komponente-aesthetischer-erfahrung\/\">vgl. Kapitel 1.3.1<\/a>) besser beschreibt als die Postulierung eines einheitlichen, verallgemeinerbaren Bewertungskontinuums. Je nach momentanem Handlungsbereich und bewusster Priorit\u00e4tssetzung herrscht eine der Qualit\u00e4ten vor. Prinzipiell ist die Wirkung aller Qualit\u00e4ten auf die Erfahrung als gleichwertig zu beurteilen. Die Konzentration auf eine Qualit\u00e4t ist nicht durch Abh\u00e4ngigkeitsbeziehungen zu den anderen Qualit\u00e4ten wie eine zeitliche Reihenfolge oder eine Schichtung festgelegt. Von der Pers\u00f6nlichkeit und der Konstellation der bedingenden Einfl\u00fcsse abh\u00e4ngig, kann sich jeder Qualit\u00e4tsbereich mehr oder weniger stark auspr\u00e4gen. Aus analytischer Sicht sind alle Qualit\u00e4ten wichtig und beeinflussen in jeweils besonderer Weise den weiteren Verlauf von Erfahrungsprozessen. Der aus der Korrelation aller an der \u00e4sthetischen Erfahrung beteiligten Komponenten entstehende Hauptprozess der gef\u00fchlsbezogenen Komponente ist somit durch alle drei Qualit\u00e4ten mitbeeinflusst. Er wird als Evaluation gekennzeichnet.<\/p>\n<p>Dominiert im Hauptprozess die perzeptive Qualit\u00e4t, werden die Erfahrungsinhalte bewusst unter einer ironisch distanzierten Haltung organisiert. Diese ist als Selbstentfremdung oder Kompensation einer Sinnl\u00fccke in der vermeintlich verlorenen Lebensganzheit interpretierbar. Die Lebenswirklichkeit vieler Menschen fordert den konzentrierten Einsatz ihrer Kr\u00e4fte und ihres Zeit- und Energiebudgets. Sie m\u00fcssen sich h\u00e4ufig gegen einen unerf\u00fcllbaren Ganzheitsanspruch und f\u00fcr Konzentration auf den von ihnen gefundenen Bereichen entscheiden. Wer sich dann ohne Distanz und Selbstironie ausschlie\u00dflich in den Dienst der gew\u00e4hlten Zielsetzung stellt, beraubt sich der Erfahrung von Lebensf\u00fclle, tr\u00e4gt \u00bbScheuklappen\u00ab hinsichtlich der Vielf\u00e4ltigkeit von guten Lebensm\u00f6glichkeiten und versteckt sich vor konstruktiver Selbstkritik.<\/p>\n<p>Steht der Hauptprozess der Evaluation dagegen prim\u00e4r unter dem Einfluss der empathiven Qualit\u00e4t, so konzentriert sich die Organisation der Erfahrungsinhalte stark auf das zust\u00e4ndliche, teilnehmende Selbst. Wer eine Gef\u00fchlslage nicht aus der eigenen Erfahrung kennt, wird sie unter Umst\u00e4nden \u00bbleichten Herzens\u00ab abwerten und Gef\u00fchls\u00e4u\u00dferungen, auch gestalterischer Art, gleichg\u00fcltig gegen\u00fcberstehen. So hat der Esoterikboom Marketingfachleute und Designer \u00fcberrascht, weil sie die ersten Anf\u00e4nge ignorierten. F\u00fcr Designer ist es wichtig, ein Gesp\u00fcr f\u00fcr Gef\u00fchle und Stimmungen, die sich im zwischenmenschlichen Verhalten ausdr\u00fccken, zu entwickeln, um Menschen mit verschiedensten Gef\u00fchlen und Erwartungen bez\u00fcglich der \u00e4sthetischen Erfahrung durch Umweltdesign im weitesten Sinn einen Resonanzraum bieten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wird der Hauptprozess der Evaluation von der imaginativen Qualit\u00e4t beherrscht, so erfolgt die Organisation der Erfahrungsinhalte im Hinblick darauf, nach anderen M\u00f6glichkeiten in Vergangenheit oder Zukunft Ausschau zu halten oder sich diese vorzustellen, weniger darauf, den gegenw\u00e4rtigen Zustand als solchen zu genie\u00dfen oder zu bewerten. Im Unterschied zur folgebezogenen Orientierung der Erfahrung und der entsprechenden antizipierenden Komponente \u00e4sthetischer Erfahrung (<a href=\"\/design\/1-design-und-aesthetische-erfahrung-innerhalb-der-wirklichkeitsbildenden-basis-von-erfahrung\/1-2-3-kausalitaet-nach-oben-durch-den-hauptprozess-der-kreation\/\">vgl. Kapitel 1.2.3<\/a>) richtet die imaginative Qualit\u00e4t den Hauptprozess der Evaluation zun\u00e4chst nur auf das pure Vergn\u00fcgen an phantastischen Ideen und die Lust an ver\u00e4ndernden Aktivit\u00e4ten ungeachtet einer m\u00f6glichen nutzbringenden Verwertbarkeit aus. Diese vision\u00e4r angelegte Evaluation best\u00e4rkt die Freude an Ver\u00e4nderungen. Dadurch tr\u00e4gt sie indirekt zum Spa\u00df am Lernen sowie zur Durchf\u00fchrung innovativer und positiver Entwicklungen bei.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Unterscheidung von drei Organisationsqualit\u00e4ten als typische Auspr\u00e4gungen der \u00e4sthetischen Erfahrung geht davon aus, dass diese die gef\u00fchlsbezogene Komponente der \u00e4sthetischen Erfahrung in Relation zur wirkungsbezogenen Orientierung (vgl. Kapitel 1.3.1) besser beschreibt als die Postulierung eines einheitlichen, verallgemeinerbaren Bewertungskontinuums. 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