{"id":246,"date":"2015-12-16T13:58:29","date_gmt":"2015-12-16T12:58:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vrabek.de\/design\/?page_id=246"},"modified":"2020-12-29T12:03:07","modified_gmt":"2020-12-29T11:03:07","slug":"1-2-modell-zur-organisationsdynamik-der-wirklichkeitsbildenden-basis","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.vrabek.de\/design\/1-design-und-aesthetische-erfahrung-innerhalb-der-wirklichkeitsbildenden-basis-von-erfahrung\/1-2-modell-zur-organisationsdynamik-der-wirklichkeitsbildenden-basis\/","title":{"rendered":"1.2 Modell zur Organisationsdynamik der wirklichkeitsbildenden Basis"},"content":{"rendered":"<p>Wie die Beschreibung der Charakteristika der Erfahrung und ihrer jeweils zugeh\u00f6rigen Komponenten von Erfahrung verdeutlicht, sind die Komponenten und die mit ihnen zu verbindenden Einfl\u00fcsse auf die Erfahrung nur analytisch voneinander zu trennen. Sie wirken st\u00e4ndig an der Generierung der Erfahrung mit und wechselwirken dabei miteinander. Die Erfahrungsbildung ist daher als ver\u00e4nderliches Resultat komplexer, korrelierender Prozesse, im Sinne einer ganzheitlichen und dynamischen Organisation aufzufassen. Dies veranschaulicht das im folgenden darzustellende Modell (vgl. Abbildung 1), aus dem anschlie\u00dfend die Vorgehensweise und Gliederung der Analyse des Verh\u00e4ltnisses von Design und \u00e4sthetischer Erfahrung entwickelt wird. Zu ber\u00fccksichtigen ist, dass bereits die Auswahl der Charakteristika im Hinblick auf die Untersuchungsthematik erfolgte und weitere, an der Erfahrungsbildung beteiligte Einflussbereiche ausklammert. Das zu entwickelnde Modell zur Organisationsdynamik von Erfahrung bringt in erster Linie die Theorieposition und die Zielsetzung der Untersuchung zum Ausdruck. Sie ist nicht als Versuch misszuverstehen, die angenommene dynamische Ganzheitlichkeit der Erfahrung pr\u00e4zise nachbilden zu wollen.<\/p>\n<p>Erfahrung wird mittels der Gesamtuntersuchung als ein System modelliert. In dieses Systemmodell flie\u00dfen drei Konzepte der Systemtheorie ein, die im Anschluss an die Grundlegung der Allgemeinen Systemtheorie durch den Biologen Ludwig von Bertalanffy (1901-1972) entstanden. Erstens das funktionale Konzept, das ein System vereinfachend als Blackbox modelliert und von au\u00dfen beobachtet, welchen Einwirkungen das System in seiner Umwelt ausgesetzt ist und welche Prozesse des Systems in seine Umwelt wirken. Allerdings ist in diesem Zusammenhang nicht von input und output im klassischen Sinne die Rede, da unter Hinzuziehung des zweiten Konzepts kein festgelegter Funktionszusammenhang zwischen dem System und seiner Umwelt anzunehmen ist. Das zweite, das kybernetische Konzept, welches u. a. von Heinz v. Foerster und Maturana weiterentwickelt wurde und auf Norbert Wiener zur\u00fcckgeht, stellt die Selbstorganisation eines Systems in den Vordergrund (<a href=\"\/design\/literaturverzeichnis\/\">vgl. Schmidt, 1987<\/a>). Drittens ist das hierarchische Konzept einzubeziehen. Dieses gliedert die Komplexit\u00e4t eines Systems dadurch auf, dass ein System als von Teilsystemen generiert verstanden wird und auch diese Teilsysteme wiederum als umfassendere Systeme, welche ihrerseits aus Teilsystemen entstehen, zu analysieren sind (<a href=\"\/design\/literaturverzeichnis\/\">vgl. Lenk\/Ropohl, 1978 und Seiffert, 1991<\/a>).<\/p>\n<p>Grundprinzip der Selbstorganisation ist die R\u00fcckkopplung. Sie entsteht dadurch, dass Wirkungen, welche ein Prozess in Gang setzt oder Resultate, zu denen ein Prozess f\u00fchrt, wieder in den Ausgangsprozess zur\u00fcck zu gelangen und ihn ihrerseits beeinflussen. R\u00fcckgekoppelte Systeme werden erst seit wenigen Jahrzehnten wissenschaftlich differenziert untersucht. Entgegen fr\u00fcheren Annahmen k\u00f6nnen sie unterschiedliche Entwicklungen hervorbringen. Eine zirkul\u00e4re Organisation f\u00fchrt nicht zwangsl\u00e4ufig zu Gleichgewichtszust\u00e4nden im Sinne einer ganzheitlich ausgewogenen Harmonie. Bestimmte Wirkprozesse k\u00f6nnen andere dominieren (<a href=\"\/design\/literaturverzeichnis\/\">vgl. an der Heiden, in: Z\u00e4nker Hrsg., 1991<\/a>). Dadurch sind im Prinzip vielf\u00e4ltige und weiterhin ver\u00e4nderbare Ausformungen m\u00f6glich. Die Annahme eines Idealzustands als Grundlage f\u00fcr Modell und Analyse wird dieser vielf\u00e4ltigen Dynamik nicht gerecht. Um ein besseres Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die vielf\u00e4ltigen Ausformungen zu erhalten, muss das Modell auf die Erfassung der Prozesse, aus denen sich die Organisationsdynamik formt, angelegt sein und darf sich nicht auf die Abbildung von Zust\u00e4nden oder Bestandteilen und Eigenschaften beschr\u00e4nken. Systeme oder Teilbereiche als stabile Einheiten sind daher gleichzeitig immer auch als Produkte und Zwischenstadien von Prozessen zu modellieren.<\/p>\n<p>Eine weitere theoretische, von der Beobachterperspektive abh\u00e4ngige Differenzierung des Modells entsteht durch die Zuordnung der an der Organisation des Gesamtsystems beteiligten Teilsysteme oder -prozesse zu verschiedenen Niveaus. So bildet zum Beispiel die gesamte Organisationsdynamik der wirklichkeitsbildenden Basis das oberste Niveau. Ein mittleres Niveau umfasst die Teilsysteme und Teilprozesse aus deren Zusammenwirken die Gesamtdynamik generiert wird. Weitere Niveaus entstehen durch die Untergliederung der Teilsysteme oder -prozesse in Subsysteme- oder -prozesse usw. Die den verschiedenen Niveaus zugeordneten Systeme sind durch die zugeh\u00f6rigen Prozesse miteinander vernetzt, das hei\u00dft, sie wirken aufeinander ein. Drei Wirkweisen sind zu unterscheiden. Erstens wechselwirken Systeme und Prozesse auf dem gleichen Niveau miteinander. Dies kann als Querkausalit\u00e4t bezeichnet werden. Zudem wechselwirken Systeme und Prozesse eines Niveaus zweitens mit dem h\u00f6heren Niveau, dies wird als Kausalit\u00e4t von unten nach oben gekennzeichnet, und drittens mit dem niedrigeren Niveau, diese Wirkweise benennt die Kausalit\u00e4t von oben nach unten.<\/p>\n<p>Diese allgemeinen Ma\u00dfgaben zur Modellierung von Systemen und Prozessen werden im folgenden auf das Modell f\u00fcr die wirklichkeitsbildende Basis von Erfahrung \u00fcbertragen (vgl. Abbildung 2). Auch in den weiteren Kapiteln der Untersuchung wird jeweils ein Modell entwickelt, das diesen Ma\u00dfgaben entspricht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie die Beschreibung der Charakteristika der Erfahrung und ihrer jeweils zugeh\u00f6rigen Komponenten von Erfahrung verdeutlicht, sind die Komponenten und die mit ihnen zu verbindenden Einfl\u00fcsse auf die Erfahrung nur analytisch voneinander zu trennen. 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