{"id":186,"date":"2020-12-16T13:50:00","date_gmt":"2020-12-16T12:50:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vrabek.de\/design\/?page_id=186"},"modified":"2020-12-29T12:33:45","modified_gmt":"2020-12-29T11:33:45","slug":"1-4-2-kategorien-zum-teilprozess-des-designens","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.vrabek.de\/design\/1-design-und-aesthetische-erfahrung-innerhalb-der-wirklichkeitsbildenden-basis-von-erfahrung\/1-4-2-kategorien-zum-teilprozess-des-designens\/","title":{"rendered":"1.4.2 Kategorien zum Teilprozess des Designens"},"content":{"rendered":"<p>Der Begriff \u00bbDesign\u00ab erlangte in den letzten Jahren steigende Popularit\u00e4t. Dadurch umfasst seine Bedeutung \u00fcber die fachspezifische Definition hinaus oft schillernde Konnotationen. So wird Design h\u00e4ufig mit Extravaganz in Verbindung gebracht. Diesbez\u00fcglich hilft es nicht, \u00fcber die inflation\u00e4re Verwendung des Begriffs zu klagen oder aus einer Machtposition heraus die einzig richtige Bedeutung festlegen zu wollen. Es ist vielmehr notwendig, eine andauernde Diskussion zu den wechselnden, wichtigen disziplin\u00e4ren Schwerpunkten aufrecht zu halten, um dadurch eine wesentlichen Charakteristik von Design erfassen zu k\u00f6nnen, n\u00e4mlich die Prozesshaftigkeit. Diese kommt in dem deutschsprachigen Begriff f\u00fcr Design, \u00bbGestaltung\u00ab, deutlicher zu Ausdruck. Trotzdem ist eine R\u00fcckkehr zum Gestaltungsbegriff, die wiederholt vorgeschlagen wird, gerade jetzt, wo sich die Rede von Design im allt\u00e4glichen Sprachgebrauch durchsetzt, nicht mehr sinnvoll. Der aus dem Englischen \u00fcbernommene Begriff wird zunehmend in eingedeutschter Form als Verb oder Adjektiv verwendet. Doch auch der Brite John A. Walker weist in seinem Buch \u00fcber Designgeschichte auf die Unzul\u00e4nglichkeiten hin, Design zu definieren sowie die damit verbundenen Probleme f\u00fcr sein Fachgebiet:<\/p>\n<blockquote><p>\u00bbDie Designhistoriker sind sich einig, dass ihr Forschungsgegenstand die geschichtliche Entwicklung des Designs ist, aber es gibt keinen Konsens dar\u00fcber, welche Bedeutung mit dem Begriff oder Konzept Design abgedeckt wird. Ist zum Beispiel Architektur darin enthalten? Ist die Architektur Teil der Designgeschichte oder Kunstgeschichte oder gibt es eine eigenst\u00e4ndige Disziplin Architekturgeschichte? \u00c4hnliche Ungewissheiten ergeben sich f\u00fcr die Bereiche des Handwerks, der Volkskunst oder der Massenmedien. Design spielt mit Sicherheit beim Filmemachen, der Fernsehproduktion, der Pop-Musik und Werbung eine Rolle, aber diese Gebiete sind gleichzeitig Gegenstand der Film-, Medien und Kulturwissenschaften sowie auch der Soziologie. F\u00fcr Grenzstreitigkeiten gibt es also breiten Raum.<br \/>\nAls sicher kann gelten, dass die Abgrenzungen aller Disziplinen eher unscharf als genau sind und dass es zu \u00dcberschneidungen kommt.\u00ab (<a href=\"\/design\/literaturverzeichnis\/\">vgl. Walker, 1992, S. 34<\/a>)<\/p><\/blockquote>\n<p>Dieses Definitions- und Abgrenzungsproblem betrifft ebenso die vorliegende Untersuchung. Hier wird der Begriff Design nicht als Abk\u00fcrzung f\u00fcr beispielsweise Industrial Design verwendet, sondern im Sinne eines ganzheitlichen Bedeutungsfelds, das im Prinzip jede Art von Gestaltung umfasst. Deshalb bezieht sich die Einteilung in Kategorien f\u00fcr Design nicht auf einzelne Medien, sondern auf Komponenten \u00e4sthetischer Erfahrung. Insbesondere bez\u00fcglich der Erarbeitung von \u00e4sthetischen Richtlinien, Kriterien und Strategien, f\u00fcr Design sowie deren exemplarische Veranschaulichung, wird dies deutlich. Zudem geht der Untersuchungsansatz davon aus, dass die Erfahrung und alle an ihr beteiligten Prozesse durch rekursive Wechselwirkungen unl\u00f6sbar aufeinander bezogen sind und wiederum miteinander nicht zu stoppende Wandlungsprozesse erzeugen. Dementsprechend muss eine Disziplin wie Design sowohl auf der Ebene der theoretischen Reflexion, als auch bez\u00fcglich der praktischen Umsetzung, diesen Wandel mit vollziehen, um aktuell relevante Forschungen betreiben zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die leitende Intention der Untersuchung, die humane Lebenspraxis in ihrer Vielf\u00e4ltigkeit zu respektieren und durch Design zu f\u00f6rdern, flie\u00dft dadurch in die Untersuchung ein, dass diese nicht von der Dominanz einer einzigen grundlegende Komponente der \u00e4sthetischen Erfahrung ausgeht. Vielmehr wird deren prinzipiell gleichberechtigte Korrelation im Kreationsprozess angenommen. Entsprechend vielf\u00e4ltige Auspr\u00e4gungen k\u00f6nnen dann f\u00fcr die \u00e4sthetische Erfahrung entstehen. Diese zeigen sich dadurch, dass Menschen ihre Weise der \u00e4sthetischen Erfahrung an sehr verschiedenen Anl\u00e4ssen festmachen.<\/p>\n<p>Die differenzierte Analyse der vielf\u00e4ltigen Auspr\u00e4gungen \u00e4sthetischer Erfahrung und die Akzeptanz ihrer jeweiligen Besonderheit ist eine wichtige Voraussetzung daf\u00fcr, eine pers\u00f6nliche \u00dcberzeugung zur vermeintlich klaren, eindeutigen Verfassung der Wirklichkeit in ihrer Relativit\u00e4t zu erkennen. Dies gilt insbesondere f\u00fcr Designer. Nur so wird es m\u00f6glich, die eigene Wirklichkeit kritisch zu relativieren, die Wirklichkeiten anderer Menschen in ihrer Andersartigkeit zu tolerieren, die verschiedenen Aspekte zu diskutieren und schlie\u00dflich im kommunikativen, praktischen Handeln zu ver\u00e4ndern und vielleicht verbesserte Wirklichkeitsinterpretationen zu erproben.<\/p>\n<p>Hinsichtlich der gef\u00fchlsbezogenen Komponente bietet Design der Kategorie der Aktualit\u00e4t vielf\u00e4ltige Gelegenheiten f\u00fcr die aktuelle Entfaltung der \u00e4sthetischen Erfahrung und f\u00f6rdert das Gef\u00fchl, ein gutes Leben zu f\u00fchren. Bezogen auf die bedingenden Komponenten sollte Design der Kategorie der Potentialit\u00e4t auf die unterschiedlich starken Bedingungen eingehen und spezifische Angebote bereitstellen, welche die spezifische Ausrichtung der \u00e4sthetischen Erfahrung eines Menschen aufnehmen und diesem ein Potential zur selbstbestimmten Weiterentfaltung anbieten. Obwohl die Eigendynamik der bedingenden Komponenten akzeptiert und entsprechend gr\u00fcndlich analysiert wird, entbindet der Verweis auf Bedingungen nicht von der Verantwortung, wenigstens soweit m\u00f6glich gestalterisch regulierend an der Erfahrungskreation mitzuwirken. Gestalterische Mitwirkung beschr\u00e4nkt sich nicht auf theoretische Kritik der Bedingungen. Sie nutzt auch einen engen Spielraum aus, indem praktisch durchf\u00fchrbare Vorschl\u00e4ge oder Entw\u00fcrfe entwickelt werden. Im Verh\u00e4ltnis zur antizipierenden Komponente sollte Design der Kategorie der Perspektivit\u00e4t verschiedene Lebensperspektiven anbieten, begleiten und zwischen ihnen vermitteln, damit Menschen mit vielf\u00e4ltigen Lebensweisen auch langfristig Chancen f\u00fcr die Entfaltung ihrer \u00e4sthetischen Erfahrung und ihrer Identit\u00e4t finden und ihr Leben in der Gesamtheit als ein gelungenes Leben beurteilen k\u00f6nnen. Entscheidend f\u00fcr die Ausrichtung der vorliegenden Untersuchung ist die Annahme, durch Design positiv Einfluss auf die \u00e4sthetische Erfahrung und dadurch auf die Erfahrungskreation nehmen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Begriff \u00bbDesign\u00ab erlangte in den letzten Jahren steigende Popularit\u00e4t. Dadurch umfasst seine Bedeutung \u00fcber die fachspezifische Definition hinaus oft schillernde Konnotationen. So wird Design h\u00e4ufig mit Extravaganz in Verbindung gebracht. 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